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Singen in Schule und Kita : Wie rassistisch sind deutsche Kinderlieder?

  • -Aktualisiert am

Nicht nur der „Struwwelpeter“ und „Pippi Langstrumpf“ verdienen eine kritische Betrachtung, sondern auch deutsche Kinderlieder. Bild: Picture Alliance

„Zehn kleine N.“: Wenn Kinder gemeinsam singen, üben sie Empathie und Gruppenverhalten ein. Gerade in einem Land mit steigender Migration kann das bei bestimmten Liedern zu einem Problem werden. Ein Gastbeitrag.

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          In den vergangenen Jahrzehnten lässt sich vermehrt beobachten, dass bestimmte deutsche Kinderlieder im schulischen Umfeld zum Mobbing und zur rassistischen Diskriminierung verwendet werden. Stets handelt es sich um Stücke, in denen über nichtdeutsche Kulturen oder Menschen gesungen wird. So berichtet beispielsweise Tupoka Ogette 2017 in ihrem Buch „exit RACISM“ von einer Mutter, die ihr Kind von einer Klassenfahrt abholt. Diese erlebt, dass die Klasse und die Lehrer beim Aussteigen aus dem Bus zusammen das Lied von den „Zehn kleinen N.“ singen. Obwohl ihr Sohn als einziges schwarzes Kind zu weinen beginnt, klatschen am Ende alle, und keiner der anderen Eltern schreitet ein.

          Die Fachstelle Kinderwelten berichtet 2016 in ihren Informationsmaterialien von einer Schulklasse, in der das Lied „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ gesungen wurde und dazu auf Anweisung der Lehrerin die Kinder mit den Fingern die Augenwinkel hochziehen sollten, um „Schlitzaugen“ zu erzeugen. Die Klage eines japanischen Vaters, dessen Sohn sich dadurch diskriminiert fühlte, wurde mit dem Argument abgelehnt, das Kind habe keinen chinesischen Hintergrund und könne sich nicht diskriminiert fühlen.

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