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Polnische Geschichtspolitik : Wir brauchen eine schönere Historie

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ZDF-Mehrteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“: leuchtendes Beispiel für den polnischen Präsidenten Bild: David Slama

In Polen wird die Geschichtswissenschaft zur Kampfzone: Nationalkonservative fordern die patriotische Wende – und warnen vor der deutschen Propaganda. Schon werden Gelehrte denunziert.

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          Ob der polnische Präsident Andrzej Duda dem Historiker Jan Tomasz Gross den Verdienstorden der Republik Polen entziehen werde, fragte unlängst das nationalkonservative Internetportal „wPolityce“. Es reagierte auf eine Meldung der Nachrichtenseite onet.pl, wonach das Außenministerium auf Bitten der Präsidialkanzlei prüft, ob es gerechtfertigt sei, dem in Princeton lehrenden Gross seine 1996 erhaltene Auszeichnung abzuerkennen. Gross hatte 2000 mit seinem Buch „Nachbarn“ eine Debatte über das polnisch-jüdische Verhältnis im Zweiten Weltkrieg entfacht. Anlass für den Vorgang im Außenministerium ist laut onet.pl, dass den Präsidenten zahlreiche Petitionen erreichten, die das forderten. Denn vorigen Herbst hatte Gross in einem Artikel in der „Welt“ die ablehnende Haltung der Polen in der Flüchtlingsfrage mit der unzureichenden Aufarbeitung ihrer Mitschuld am Holocaust erklärt.

          In der Druckausgabe des mit „wPolityce“ verbundenen Nachrichtenmagazins „wSieci“ (Im Netz) erschien damals ein Beitrag des Historikers Bogdan Musiał mit dem Titel „Triumph der deutschen Propaganda“. Musiał behauptet, „die deutsche Geschichtspolitik oder eher Geschichtspropaganda“ degermanisiere die Hitlerregierung und die deutschen Verbrechen der Jahre 1939-1945, indem sie sie als „Naziverbrechen“ definiere. Eine Nebenwirkung davon sei die „teilweise Polonisierung“ der Verbrechen, indem etwa statt von deutschen von polnischen Konzentrations- und Vernichtungslagern gesprochen werde. Musiał hatte 1999 nachweisen können, dass in der Ausstellung „Verbrechen der deutschen Wehrmacht“ mindestens neun Bilder nicht deutsche, sondern sowjetische Verbrechen zeigten. Welche Akteure in Deutschland hinter der von ihm behaupteten deutschen Geschichtspropaganda stehen, behält Musiał für sich. Doch er greift fünf polnische Historiker aus dem deutsch-polnischen Wissenschaftskontext teils sehr persönlich an. Er macht diese Gelehrten dafür verantwortlich, dass „die deutsche Geschichtspropaganda“ außerhalb Deutschlands in Polen ihre größten Triumphe feiere.

          Nach Anweisung der Bundesregierung

          Was bedeuten diese Vorgänge? Seit den von der PiS gewonnenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen wird viel davon gesprochen, eine neue, aktivere Geschichtspolitik sei nötig, um Polen und seine Geschichte ins rechte Licht zu rücken. Premierministerin Beata Szydło merkte kürzlich an, ein Film „im Stile Hollywoods“ eigne sich am besten dafür. Präsident Andrzej Duda, ebenfalls ein Freund von Historienfilmen, lud Mitte November Wissenschaftler und die Direktoren von Museen und Kultureinrichtungen in den Präsidentenpalast ein, um mit ihnen eine Strategie der polnischen Geschichtspolitik zu erörtern. In seiner Eröffnungsrede führte Duda „polnische Konzentrationslager“ als Beispiel für Geschichtspolitik an, „aber nicht unserer, sondern der uns feindlich gesonnenen, die den Polen, unserem Volk, Unrecht antut“.

          Den wegen seiner stereotypen Darstellung der polnischen Heimatarmee heftig kritisierten ZDF-Mehrteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ führte Duda als gelungenes, wenngleich für Polen ungünstiges Beispiel deutscher Geschichtspolitik an. Der Film habe ihn tief beeindruckt, so Duda. Die aufwendige Produktion zeige „wie viel Geld ein starker Staat ausgeben kann, um die eigene Geschichte möglichst vorteilhaft zu präsentieren“.

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