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Diskussion um Peter Handke : Der Feind meines Feindes

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Das eigene Werk zunichte gemacht

Wie dem auch sei, diese Auszeichnung ist auch eine Niederlage für Handke selbst, den selbsternannten Rebellen wider die Heuchelei der westlichen Welt. Statt den Preis abzulehnen, wie es 1964 Jean-Paul Sartre getan hatte und vor zwei Jahren fast auch Bob Dylan, hat Handke ihn angenommen und das Komitee auch noch für seinen Mut gelobt, auf diese Weise sich selbst und dem Komitee schmeichelnd. Damit hat er praktisch alles niedergetrampelt, was er zuvor gesagt und geschrieben hat. Und was ihn am Ende dazu geführt hatte, Milošević und Karadžić zu unterstützen.

Schon seit Jahrzehnten stürzt sich Handke, in gewissem Sinne wie Noam Chomsky, der viel gründlichere und zuverlässigere Kritiker des Westens im Allgemeinen und der Vereinigten Staaten im Besonderen, auf die Doppelzüngigkeit der westlichen Länder. Er verübelt ihnen, dass sie explizit Werte unterstützen, die sie implizit – mit ihren konkreten Taten und ihrem Verhalten – grob verletzen. Dort, wo seine Kritik ein Milieu betrifft, mit dem er gut vertraut ist, kann man das Handke ebenso wenig verübeln wie Chomsky. Aber wie auch Chomsky lässt Handke sich von der verschrobenen Logik forttragen, dass der Feind seines Feindes sein Freund sei. Wenn der betrügerische Westen so einmütig gegen Miloševićs Jugoslawien aufgestanden ist, dann muss dieses Jugoslawien mit Milošević an der Spitze etwas Gutes sein, räsoniert Handke – und irrt.

Es geht hier um eine Form intellektueller Faulheit. Handke hat, wie übrigens auch Chomsky, nicht übermäßig große Mühen darauf verwandt, sich über das Kriegsgeschehen in Jugoslawien zu informieren. Stattdessen kam er nach Serbien und sah, dass hier normale Menschen leben. Was er zu sehen erwartet hatte, wissen wir nicht. Aber die Begeisterung darüber, gesehen zu haben, dass auch in Serbien die Menschen auf zwei Beinen laufen, könnte sich auch als Reflex eines verdrängten Empfindens einer Überlegenheit äußern, der sich in eine Art Herablassung verwandelt hat.

Deshalb sollte die serbische Episode in Handkes Biographie eher als unwesentlicher Exzess und als Teil einer allgemeineren Schlacht gesehen werden, die Handke irgendwo anders führt, und nicht als prägende Phase in seiner intellektuellen und politischen Reifung. In diesem Licht zeigt sich dann, dass Handkes intellektuelle Niederlage nicht mit seiner Verbeugung vor Milošević kam, denn das hätte man als unmaßgebliche Verirrung ansehen können. Handke ist eigentlich erst jetzt besiegt, da er eine höchst zweifelhafte Auszeichnung erhalten soll – und das natürlich nicht, weil er sie verliehen bekommen soll, sondern weil er sich dazu entschlossen hat, sie anzunehmen.

Gekürzte Fassung eines auf dem serbischen Portal Pešćanik („Sanduhr“) erschienenen Textes. Dejan Ilić, geboren 1965 in Zemun, ist Essayist und Redakteur im Belgrader Verlag „Buchfabrik“. Zuletzt erschien von ihm „Die zwei Gesichter des Patriotismus“ (Belgrad 2016).

Aus dem Serbischen von Michael Martens.

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