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Wahlkampfauftakt von Laschet : Kinn runter, Fäuste hoch

Alles echt aussehen lassen: Armin Laschet (Mitte) im Frankfurter Box-Camp. Aus dem Kampfsport macht der Kanzlerkandidat eine sublime Affäre. Bild: Frank Röth

Vor der Kulisse kämpfender Kinder und Jugendlicher im Frankfurter Gallusviertel erklärt der CDU-Spitzenkandidat: „Im Wahlkampf kämpfe auch ich“. Dann zieht er die Boxhandschuhe an.

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          Wahlkämpfer sind von Haus aus in einer neurotischen Situation. Sie möchten gegen den politischen Gegner Treffer erzielen, indem sie sich für gute Sachen einsetzen, selbstlos selbstverständlich. Zugleich ist ihr Engagement naturgemäß ganz und gar selbstbezogen, eben wahlkampfbezogen, darf in dieser Selbstbezüglichkeit aber nicht zum Thema werden. Man sagt: Ich liebe euch doch alle. Und meint: Unter diesen allen bin ich der erste. Weil das aber verborgen bleiben soll, hat Armin Laschet nun mit seinen Manschettenknöpfen ein Problem, als er sich neben ein paar jugendliche Boxer setzt, die schwitzend für einen Moment ihr Training unterbrechen. Hier im Frankfurter Gallus, zum Auftakt seiner deutschlandweiten Wahlkampfreise.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

          Laschet kann die Knöpfe nicht einfach freiweg öffnen. Das würde die Aufmerksamkeit erst recht auf den Empathiefehler lenken. Er muss das vielmehr unter einem Vorwand tun, um die geschuldete Anpassungsleistung nachzuholen, die bei ihm noch nicht als Sozial-Gewissen abgespeichert war. Zum Öffnen dieser Knöpfe, die am Boxring ja tatsächlich vollkommen verkehrt wirken, stellt der Kanzlerkandidat eine ablenkende Frage, nämlich wie hoch am Handgelenk eigentlich die Bandagen im Boxhandschuh gehen. Ein Boxer zeigt es ihm. Aha, bis hierhin also, sagt Laschet und muss, um dies am eigenen Handgelenk sachverständig vorführen zu können, seine Manschettenknöpfe öffnen und das Hemd hochkrempeln. Es ist geschafft! Laschet hat sich in einen Boxer eingefühlt und wie nebenbei sein Ego unsichtbar gemacht.

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