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Organspende : Alles ganz einfach?

Dem Herzen eines Verstorbenen werden von einem Transplantationsmediziner die Herzklappen entnommen. Bild: dpa

Widerspruch oder Zustimmung? Zur Regelung der Organspende gibt es konkurrierende Konzepte. Die von Jens Spahn und Karl Lauterbach favorisierte Lösung hat dabei für bestimmte Menschen einen großen Nachteil.

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          Wie einfach ist einfach? Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürwortete Widerspruchslösung, wonach jeder ein Organspender ist, es sei denn, er widerspricht dem ausdrücklich, sei doch „das Einfachste“, sagte an Weihnachten der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) gegenüber dem Deutschlandfunk. Er reagierte damit auf einen konkurrierenden fraktionsübergreifenden Vorschlag, den die Grünen-Chefin Annalena Baerbock kurz zuvor ans Gesundheitsministerium geschickt hatte. Ihr entsprechendes Eckpunktepapier setzt nicht auf Widerspruch, sondern wie bisher auf Zustimmung, wenn es um die Frage einer Organspende geht. Allerdings soll man sich demnach künftig einer forcierten Abfrage aussetzen und auf diese Weise zur verstärkten Beschäftigung mit dem Thema angeregt werden.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Das Baerbock-Konzept sieht vor, dass alle Erwachsenen bei der Beantragung oder Verlängerung ihres Personalausweises zunächst ausführliche und unabhängige Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie Beratungsangebote erhalten. Bei der späteren Abholung des Ausweisdokuments würde man dann eine stets revidierbare Erklärung abzugeben haben, ob und gegebenenfalls welche Organe man im Todesfalle spenden wolle, ob man nicht spenden wolle oder ob man sich aktuell nicht festlegen möchte. Wichtig sei, so Baerbock im Deutschlandfunk, „dass man die Möglichkeit hat, zu sagen, man möchte Organspender sein, oder man möchte es nicht sein. Aber dass es auch eine Möglichkeit gibt, zu sagen: Ich muss mir das noch weiter überlegen.“ Die Antwort wird vor Ort in ein Register eingetragen, im Fall der Spendenwilligkeit auch an ein zentrales Organspenderegister übermittelt, der Organspendeausweis in Papierform entfällt somit.

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