https://www.faz.net/-gqz-9egg0

Stadt, Land, Flucht : Wie lösen wir die Wohnungsnot in den Städten?

Die Jungen zeiht es in die Städte, immer mehr Häuser auf den Dörfern – hier in St. Goarshausen im Jahr 2011 – stehen zum Verkauf. Bild: Manz, Florian

Brauchen wir mehr sozialen Wohnungsbau – oder sollen wir den freien Markt einfach machen lassen, um die Wohnungsnot zu lindern? Eine mögliche Lösung: wieder in die vielen leeren Dörfer ziehen.

          5 Min.

          Das Jahr 2018 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem die deutsche Städtebaupolitik kollabierte. Nirgendwo wird das so deutlich wie in Frankfurt, wo die absurden Mietpreissteigerungen der vergangenen Jahre Zigtausende in die Vororte und ins Umland abdrängten, von wo aus sie jeden Morgen mit dem Auto zur Arbeit in die Bürotürme, in die Supermärkte und in die Läden im Zentrum drängen und dabei die Luft nach Kräften zerdieseln, weswegen man sie jetzt auch noch mit einem weitreichenden Fahrverbot bestraft. Auf Dauer kann die Aussperrung all derer, die man als Stadtbewohner verdrängt hat, aber kein Rezept zur Rettung der Stadt als Zivilisationsmodell sein. Es muss also gebaut werden, um all die, die pendelnd die Luft ruinieren, wieder in die Stadt oder wenigstens in deren Nähe und in die U- und S-Bahnen zu bekommen. Aber wer soll genau was bauen?

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Um diese Frage ist ein heftiger Streit entbrannt. Die einen wollen den sozialen Wohnungsbau ausbauen, weil das Angebot an bezahlbarem Wohnraum nicht reicht. Der Sozialwohnungsbestand ist seit 1990 um 60 Prozent gesunken, 2016 gab es nur noch 1,2 Millionen Sozialwohnungen, und bis 2020 werden weitere 170.000 aus der Bindung fallen. Kommunen, Länder und der Bund haben, um die maroden Kassen aufzufüllen, seit den neunziger Jahren eigene Wohnungsbestände an private Investoren verkauft, und das, so die Kritiker, räche sich jetzt. Deswegen brauche man einen neuen Sozialen Wohnungsbau. Die Bundesregierung, die dies mehrheitlich so sieht, stellte dieses Jahr zwei Milliarden für seine Wiederbelebung zur Verfügung. Die anderen, darunter die Verfasser einer kürzlich im Auftrag des Wirtschaftsministeriums veröffentlichten Studie, die für erheblichen wohnungspolitischen Radau gesorgt hat, wollen den sozialen Wohnungsbau dagegen stark herunterfahren und dazu die Mietpreisbremse abschaffen, die nur die Investoren und Bauherren zögern lasse zu bauen. Man solle die Verordnungen lockern, den freien Markt machen lassen, so die hier angetretenen Ökonomen; denn wenn die Immobilienwirtschaft viel baue, würde auch viel frei am unteren Marktspektrum, und so löse sich das Problem am Ende selbst. Aber ist das so?

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+