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Druck auf die Kirche : Auch wer nicht zahlt, bleibt drin

St. Johann in Bremen: In Deutschland ist der Weg aus der Kirche klar geregelt. Bild: Picture-Alliance

Liebesentzug durch Geldentzug: Kaum etwas dürfte die deutschen Bischöfe schneller zu Konsequenzen treiben als eine Aufkündigung der Kirchensteuer. In der Kirche kann man ja bleiben.

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          Wen die Erschütterungsrhetorik der kirchlichen Würdenträger nicht überzeugt; wen es stutzig macht, dass man auch nach der Veröffentlichung einer Studie über kirchlichen Missbrauch nicht weiß, wer die Verantwortlichen sind; wer in diesem Sinne jetzt nicht nur wissen will, „wie die Kirche mit ihrer eigenen Zukunft umgeht“ (Reinhard Kardinal Marx), sondern auch, was genau in der Vergangenheit los war; wen also der bloße Begriff „Konsequenzen“ nicht beeindruckt, den die Bischöfe seit Jahren und nun schon wieder beschwören, ohne dabei auf die Idee zu kommen, ihre eigenen Mitwisserschaften, Beihilfeschaften, Mittäterschaften offenzulegen, und damit ihre eigenen schweren Verfehlungen gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft willentlich und wissentlich im Dunkelfeld belassen; wer sich also, kurz gesagt, weigert, die Ankündigung von Konsequenzen schon für Taten zu nehmen, der kann einfach selbst die ihm möglichen Konsequenzen ziehen, selbst Taten sprechen lassen. Welche?

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

          Nun, so jemand kann Liebesentzug durch Geldentzug üben. So jemand kann die Zahlung der Kirchensteuer einstellen, kann sich dabei auf sein Gewissen berufen, sofern es an ihm nagt, weil die Kirchensteuer nun ja für alle erkennbar mittelbar den sexuellen Missbrauch unterstützt – ein Umstand, welcher nach ehrwürdiger kirchlicher Lehre doch immerhin als „cooperatio ad malum“, als eine Beteiligung am Bösen darstellbar sein müsste. So verrückt schwingt hier das heilsgeschichtliche Moment tatsächlich ins Unheil aus: dass man sich unversehens vor die Frage einer Mitwirkung an einer verbrecherischen Organisation mit mafiotischen Schweigespiralen gestellt sieht, in welcher Loyalität als Komplizenschaft, als stillschweigendes Dulden missbraucht wird, sofern man sich nicht durch Widerspruch oder Abwanderung gegen solche kriminelle Vereinnahmung verwahrt (F.A.Z. vom 24. September). Auch die ihre menschliche Natur durchwirkende Übernatur, auf welche sich die Kirche in den Termini der Scholastik als ihrem Charisma beruft, auch eine solche Übernatur-Idee hebt die Natur ja nicht auf („gratia non tollit naturam“), und eben sie, die kriminelle Seite dieser Natur, macht die Kirchensteuer zur Gewissensfrage.

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