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Flüchtlinge und Migranten : Sind wir noch willkommen?

Ein Graffitti an einer Berliner Hauswand Bild: Imago

Viele Flüchtlinge fühlen sich um ihre Hoffnungen betrogen. Die Enttäuschung über ihre Situation ist groß. Und die Zahl der Helfer nimmt ab. Ein Besuch in der hessischen Kleinstadt Büdingen.

          5 Min.

          Irgendjemand musste Mohammed Fared verraten haben. Jedenfalls tauchten plötzlich Milizen im Haus seiner Eltern auf und fragten nach ihm. Es lief das Gerücht, er sei zu Assads Armee übergelaufen, und das galt als Kapitalverbrechen, seit Kurden die Macht über das Dorf im Norden Syriens übernommen hatten. Der Vater gab Schutzgeld. Aber die Männer kamen wieder. Einen Freund hatte Mohammed schon verloren, als er unterwegs mit dem Moped von einer Bombe getroffen worden war. Er macht eine Geste: Kopf ab! Das blühe in seinem Dorf jedem, der zur falschen Partei gehöre, oder zu keiner, wie er. Die Eltern gaben ihm tausend Euro für die Flucht.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          An der türkischen Westküste angekommen, musste er seine Tasche auf einen großen Haufen werfen, zu dem Gepäck der anderen Flüchtlinge. Viel war ihm ja nicht geblieben. Und jetzt musste er auch noch mitansehen, wie die Schlepper die Taschen in ein Schlauchboot trugen, aufs Meer hinausfuhren und sie über Bord warfen. Versenkt, mitsamt den Papieren. Das Boot war jetzt leicht genug für die Überfahrt. Mohammed packte der Zorn. Da spürte er einen Revolverlauf an seiner Schläfe und gab den Widerstand auf. Seinem kleinen Neffen, der mit ihm geflohen war, erklärte er es wie immer: Das ist nur ein Spiel, ein Teil des großen Abenteuers, das an der türkischen Grenze begonnen hatte, ein endlos langer Urlaub. Irgendwie kamen die beiden nach Deutschland.

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