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Googles Debattenkultur : Auf grenzenlose Empörung folgt ein wenig Umdenken

  • -Aktualisiert am

Inzwischen gibt es neben der von „Gizmodo“ verbreiteten Version des Memos auch die Vollversion, und die sorgte für eine differenzierte Meinung. Zudem meldete sich Damore, dessen Vorleben von amerikanischen Medien ohne Auffinden kompromittierenden Materials ausgewalzt worden war, mehrfach selbst zu Wort. Zum angeblichen „Manifest“ gibt es einen Kontext: Damore wurde Zeuge der an den Prinzipien der Genderideologie ausgerichteten Diversitytreffen bei Google. Zumindest in seinem Arbeitsumfeld gebe es die Überzeugung, dass die schlechtere Position von Frauen und Minderheiten auf Unterdrückung zurückzuführen sei, was durch einseitige Fördermaßnahmen ausgeglichen werden soll.

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Als Reaktion auf diese Erfahrung und den Umstand, dass andere Sichtweisen keine Rolle mehr spielen, verfasste er ein internes Diskussionspapier, und dessen erste Zeile lautete: „I value diversity and inclusion, am not denying that sexism exists, and don’t endorse using stereotypes.“ Damore referiert den Stand von Biologie und Psychologie zu den Unterschieden zwischen Mann und Frau – eine Haltung, die im Widerspruch zum Feminismus der dritten Welle steht, der die meisten Unterschiede als Ergebnis sozialer Prägung definiert. Es geht Damore überhaupt nicht um Antifeminismus, sondern um die Frage der angemessenen Vertretung der verschiedenen Gruppen in der Firma. Er schreibt, man solle über Unterschiede bei diesen Gruppen reden. Tue man dies nicht, gebe es keine echte Lösung. Die aktuelle Repräsentation der Geschlechter ist seines Erachtens nicht richtig, weshalb er für ein Arbeitsumfeld plädiert, das nicht das Kollektiv, sondern den Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Frauen könne durch flexiblere Arbeitszeiten geholfen werden. Größere Gruppen und soziale Kompetenzen berücksichtigende Tätigkeiten könnten helfen, den Anteil der Frauen zu erhöhen, und Männer sollten aus ihren erfolgsorientierten Rollenbildern ausbrechen können.

Wenig erstaunlich, meldeten sich dann Wissenschaftler wie Debra Soh zu Wort, die nicht Damores Sichtweise stützten, sondern auch Fragen stellten, inwiefern das angebliche Manifest frauenfeindlich sei oder der Autor Frauen generell die Fähigkeit abspreche, in der Technikbranche zu arbeiten. Oder er gar, wie die „Guardian“-Autorin Jessica Valenti behauptete, schreibe, Frauen seien Männern unterlegen. Unter Führung von „The Atlantic“ tauchten unangenehme Fragen nach den Stellen im Memo auf, die all die weitreichenden Unterstellungen belegen sollten. „The Federalist“ dokumentierte, wie CNN die eigenen Beiträge umschrieb und die Bezeichnung „anti-diversity“ strich – offensichtlich, weil Damore nicht nur gegen seinen Arbeitgeber, sondern auch gegen die Medien klagen kann.

Kurz darauf zeigte die „New York Times“, wie man in einem derartigen Fall eine elegante 180-Grad-Kurve dreht und weiterhin moralisch überlegen wirkt: In einem Op-Ed wurde zuerst im Gegensatz zur Blattlinie die Entlassung kritisiert und dem CEO von Google wegen seines Einknickens vor dem Mob nahegelegt, seinen Posten zur Verfügung zu stellen. Der nächste Beitrag berichtete dann davon, dass die bislang offene Diskussionskultur bei Google einen hohen Wert darstelle. Google solle sich daran erinnern und auch offen für die Diskussion um Damore sein. „Gizmodo“ ist aus ganz anderem Holz geschnitzt: Während Journalisten endlich begannen, das Memo tatsächlich zu lesen und nicht nur die Empörung abzuschreiben, twitterte man dort das Video, in dem die Autorin den Betrachter anschreit.

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