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Über den Tod hinaus : Wie die Franco-Familie ihre Güter verteidigt

Franco-Sommerresidenz Pazo de Meirás Bild: AFP

Die Familie Franco führt in Spanien ein reich schattiertes Nachleben: als Apologetin des Diktators, aber auch als Hüterin zahlreicher Güter, die sich in öffentlicher Hand befinden sollten.

          3 Min.

          Reiche gehen unter, Regime zerfallen, aber die Familien der früheren Herrscher sind nach dem Epochensturz meistens noch da. Manchmal dient ihre Hinterlassenschaft Mäusen, in anderen Fällen Historikern zur Nahrung. Auf diese Weise führt in Spanien auch die Familie Franco ein reich schattiertes Nachleben – als Apologetin des Diktators, der 1975 starb und dessen ideologisches Erbe dann innerhalb kürzester Zeit abgewickelt wurde; aber auch als verhärmte Hüterin zahlreicher Güter, die sich mit größerem Recht in öffentlicher Hand befänden, darunter Staatspapiere aus der Zeit der Diktatur 1939 bis 1975. Selbst lange nach dem Übergang zur Demokratie erhielt die familieneigene Francisco-Franco-Stiftung unter dem Vorsitz der Tochter des Diktators noch öffentliche Mittel für die Digitalisierung des historischen Materials. Zugleich erschwerte sie unabhängigen Forschern den Zugang.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Jetzt sind Dokumente aufgetaucht, die neues Licht auf einen anderen Fall von mutmaßlicher Aneignung durch die Franco-Familie werfen. Es handelt sich um zwei romanische Statuen aus dem Umfeld des „Portikus der Herrlichkeit“ der Pilgerkathedrale von Santiago de Compostela. Die Figuren von Abraham und Isaak, geschaffen Ende des zwölften Jahrhunderts vom Maestro Mateo, waren schon mehrere Jahrhunderte zuvor bei einer Neuordnung aus der Kathedrale entfernt worden. Später kaufte sie die Stadt Santiago von einem Adeligen zurück. Und dann landeten die Skulpturen im Garten der Franco-Sommerresidenz Pazo de Meirás. Wie kamen sie dorthin? Dokumente, welche die Transaktion beglaubigen oder ihren Charakter näher bezeichnen würden, fehlen bis heute.

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