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Corona und Partnerschaft : Frauen putzen, Männer trinken Bier

  • -Aktualisiert am

Wer es schön haben will, muss leiden. Bild: dpa

Die Corona-Pandemie stellt die Liebe auf eine Zerreißprobe. Wie meistern Paare die Belastung? Eine neue Studie gibt Antworten.

          2 Min.

          Alarmistische Thesen, die einen gesellschaftlichen Rückschritt anprangern, finden zuverlässig Gehör. Die Corona-Pandemie hatte das Land keine drei Monate im Griff, da stand für Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und mit den Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie bestens vertraut, bereits fest: „Wir erleben eine entsetzliche Retraditionalisierung.“ Jetzt, ein halbes Jahr später und im „Lockdown light“, stellt sich die Frage, ob sie mit ihrer als Tatsache verpackten Behauptung recht behalten hat. Erleben wir tatsächlich „einen Rückfall auf eine Rollenteilung wie zu Zeiten unserer Großeltern“? Die kurze Antwort lautet: nein. Das könnte eine sehr gute Nachricht sein, ist aber keine.

          Karsten Hank vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln hat mit seiner Kollegin Anja Steinbach von der Universität Duisburg-Essen untersucht, wie Paare hierzulande Hausarbeit und Kinderbetreuung aufteilen und was sich seit der Corona-Krise verändert hat. Die Ergebnisse der vor wenigen Wochen publizierten Studie präsentierte Hank jetzt in einem Zoom-Vortrag, der Frau Allmendinger aufhorchen lassen sollte. Denn innerhalb der heimischen vier Wände ist es um die Gleichberechtigung offenbar noch schlechter bestellt als auf dem Arbeitsmarkt. Beruflich haben sich Frauen nämlich tapfer nach vorne gekämpft, verlieren aber gerade pandemiebedingt wieder dramatisch an Boden.

          Von wegen neue Väter

          Was den Haushalt betrifft, lautet die entscheidende Botschaft der Studie für Hank: In sechzig Prozent der Beziehungen übernehmen die Frauen überwiegend oder sogar vollständig die Arbeit. Sie kochen, waschen Wäsche, putzen und tun, was sonst noch so anfällt, wenn man ein Messi-Dasein scheut. Zwar schmeißen seit Pandemiebeginn mehr Männer den Laden als vorher, was erfreulich, aber kaum der Rede wert ist. Es handelt sich schließlich nur um putzige fünf bis sieben Prozent. Dass die sogenannten neuen Väter seit jeher mehr medialer Wunsch denn Wirklichkeit waren, hatte man geahnt. Dennoch ruhte ein Funken Hoffnung auf modernen Paaren. Die zu stemmende Last lässt sich doch auch gleichmäßig auf alle Schultern verteilen!

          Nur scheinen selbst in diesen vermeintlich fortschrittlichen Beziehungen die Männer im Pandemiealltag weniger gewillt zu sein, sich deutlich mehr um saubere Wäsche oder darum zu kümmern, dass das Kind pünktlich in der Kita erscheint. Der kurz- oder gar nicht arbeitende Mann, so Hank zugespitzt, trinke eher ein Bier im Garten und hoffe, andere Arbeitslose zu treffen, als sich in die Hausarbeit zu stürzen. Täte er das, würde seine ohnehin angeschlagene Ernähreridentität noch stärker beschädigt. Covid-19 hat uns nicht in traditionell geprägte Muster zurückgedrängt. In Wahrheit sitzen wir dort immer noch fest.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

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