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Psychologie der Pandemie : Kuscheln wir uns in die Abhängigkeit der Tech-Giganten?

Nur wenige Klicks, und das Abendessen wird geliefert. Bild: Reuters

Am Ende siegt die Bequemlichkeit: Mit Corona kamen neue Gewohnheiten. Es hat sich sehr viel mehr geändert, als wir uns eingestehen. Warum das gefährlich ist.

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          Wir benötigen durchschnittlich 66 Tage, um eine neue Routine zu etablieren. Gut zwei Monate also, in denen der eiserne Wille all jene ans Ziel führt, die ihn aufbringen können. Dass die Corona-Pandemie weniger als 66 Tage andauern würde, dürften vor mehr als einem Jahr nur unverbesserliche Optimisten gehofft und für Fakten blinde Querdenker geglaubt haben. Beide wurden eines Besseren belehrt. Wir hatten gezwungenermaßen sehr viel länger als diese 66 Tage Zeit, uns an ein Leben zu gewöhnen, in dem kaum etwas so geblieben ist, wie es einmal war. Doch jetzt, endlich, da sich die Bilder von Menschenansammlungen aus aller Welt häufen, die die von ihren Regierungen genehmigten Lockerungen feiern, als sei Silvester, könnte man meinen, jeder sehne sich nach seinem alten Leben zurück. Nach dem Pendeln zur Arbeit und stundenlangen Staus, sobald in mehreren Bundesländern gleichzeitig die Schulferien beginnen. Nach Flughafenangestellten, die einen abtasten, langweiligen Partys, Händeschütteln, überfüllten Zügen, Schlangen vor Umkleidekabinen.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Aber so ist es nicht. Der Mensch ist zwar ein soziales Wesen, er ist aber auch ein die Bequemlichkeit liebendes Gewohnheitstier. Die uns innewohnende Trägheit illustrieren eindrucksvoll Umfragen zu Umweltbewusstsein und Umweltverhalten: Zuverlässig stimmen dabei zwar mehr als achtzig Prozent der Aussage zu, dass wir im Kampf gegen den Klimawandel entschlossener vorgehen müssten. Gleichzeitig aber fliegt ein Großteil dieser vermeintlich Umweltbesorgten gern in den Urlaub und nimmt lieber das Auto statt öffentlicher Verkehrsmittel.

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