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Tornado-Mission : Krieg gegen den Islam?

  • -Aktualisiert am

Ausgerüstet zur Aufklärung: startbereiter Tornado-Jet. Bild: dpa

Der Einsatz der Bundeswehr gegen die Terrorgruppe IS findet in arabischen Medien keinen Beifall. Radikale, die einen Kampf des Westens gegen die Muslime beschwören, fühlen sich bestätigt. Deutschland gilt als Kriegspartei.

          „Bomben werden den IS stärken“: was die Fraktionschefin der Linken, Sahra Wagenknecht, vergangene Woche im Bundestag sagte, ist in der arabischen Welt eine weitverbreitete Meinung. „Deutschland am Himmel über Syrien: Tornado-Einsatz bricht mit der Neutralität“, titelte das in London ansässige und aus Qatar finanzierte Medium „Al Araby al Jedid“. „Deutschland sieht sich seit den Attacken vom 13. November auf seinen engsten Partner Frankreich im Zentrum der Geschehnisse“, heißt es weiter. Das zwinge die Deutschen dazu, ihre „häufig gewahrte Neutralität aufzugeben und sich an einem Krieg gegen den ,Islamischen Staat‘ zu beteiligen“. Im Libanon folgt auf zustimmende Berichte über die deutsche Flüchtlingspolitik nun Kritik am militärischen Engagement. „Auch das ist Deutschland“, hält die Zeitung „Nissan“ enttäuscht fest.

          Seht her, sie bombardieren die Länder des Islams, lautet der Tenor in vielen Medien und Online-Foren. Islamisten nutzen das als Vorlage, um ihren Krieg gegen den Westen zu rechtfertigen. Auf einem Twitter-Account, der den Terroristen des IS zuzuschreiben ist, hieß es kurz nach der Entscheidung des deutschen Bundeskabinetts zum Syrien-Einsatz: „Deutschland befindet sich jetzt offiziell im Krieg gegen den Islam.“ Ein Facebook-Nutzer namens Hamzeh Awadallah schreibt: „Es ist wahr, wir werden in Dabiq aufeinandertreffen, wie unser Prophet es vor 1400 Jahren gesagt hat.“ Die nordsyrische Stadt Dabiq gilt nach islamischem Verständnis als Ort, an dem vor dem Weltende Christen und Muslime gegeneinander kämpfen und die Muslime siegen sollen. „O Prophet, o Gott, o Mohammed, der Countdown läuft“, schreibt Harr Bezaf, offensichtlich Sympathisant des IS, auf Facebook.

          Als Befreiungsversuch für Syrien scheint die deutsche Beteiligung niemand zu sehen. Leser schreiben auf der Website des Nachrichtensenders Al Dschazira: „So Gott will, werden die Schiffe der Invasoren, die Krieg über das arabische Volk bringen, auf den Grund des Meers sinken, mit all jenen, die kamen, um Allahs unschuldiges Volk zu töten, um Iran und Bashar zu befriedigen.“ Der Hass auf Deutschland von Seiten der Islamisten, aber auch bisher weniger radikalisierter Araber wächst. Eine Unterscheidung zwischen Kampfeinsatz oder Aufklärungsmission wird nicht gemacht. „Aufklärung, ohne dass das Beteiligung am militärischen Einsatz bedeutet? - Wer soll das glauben?“, fragt eine Nutzerin, die sich Aiad nennt, auf Facebook.

          Die Debatte in Deutschland wird in der arabischen Welt aufmerksam verfolgt, insbesondere die Frage, ob der Westen auf sunnitische Truppen für den Kampf am Boden setzen solle. Das Misstrauen ist groß. In einem Forum heißt es: „Seid nicht dumm! Erst kämpfen sie mit uns, dann beseitigen sie uns!“ Das Fazit eines Nutzers nach dem Afghanistan- und Irak-Krieg, dem sogenannten Arabischen Frühling vor fünf Jahren und angesichts des seit über vier Jahren währenden Bürgerkriegs in Syrien lautet: „Jedem Araber ist inzwischen klargeworden, dass er sein Recht nur mit Waffengewalt einfordern kann und nicht mit Wahlen oder friedlichen Revolutionen.“

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