https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wie-deutsche-unternehmen-ein-erinnerungsprojekt-in-jerusalem-finanzieren-16121235.html

Spenden für Erinnerungsprojekt : Das Richtige tun

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Bild: dapd

Borussia Dortmund, Daimler, die Deutsche Bahn, die Deutsche Bank und Volkswagen – fünf deutsche Unternehmen spenden je eine Millionen Euro für ein Erinnerungsprojekt zu Ehren der Holocaust-Opfer.

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          Eigentlich reicht schon die Geschichte des Kinderschuhs, der übrig blieb. Der rechte Schuh von Hinda Cohen, geboren am 18. Januar 1942 im Getto von Kowno, war alles, was die litauischen Eltern des Mädchens am 27. März 1944 noch vorfanden, als sie am Abend ins Aleksotas-Arbeitslager zurückkehrten. Denn sämtliche Kinder des Lagers waren an jenem Tag in Ermordungsstätten deportiert worden. Hindas Mutter kratzte das Datum in den Schuh der Zweijährigen und beschloss, dieses Stück Leder solle übrig bleiben.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Tzipporah und Dov Cohen, die jungen Eltern, überlebten den abermaligen Umzug ins Getto. Sie flohen in den Wald, versteckten sich und warteten auf die Rote Armee. 1960 gelang ihnen die Ausreise aus der litauischen Sowjetrepublik nach Israel. Der rechte Schuh ihrer kleinen Tochter reiste mit ihnen. Solche Geschichten – nicht Tausende, sondern Millionen – prägen das Gedenken an den Holocaust.

          Nicht nur Dokumente, Briefe und Fotos binden die Überlebenden sowie die Angehörigen der ermordeten Juden an ihre Familien, Freunde und Bekannten. Die Gegenstände selbst bilden das Archiv für das größte Verbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts: alte Schuhe, kaputte Brillen, rostige Löffel. Seit 1953 sammelt die Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem – Hebräisch für „Denkmal und Name“ – Zeugnisse, Stimmen, Bilder, Objekte, um die Leerstelle zu füllen, welche die Nationalsozialisten durch die Ermordung von Millionen Menschen gerissen haben. Darunter auch Hinda Cohens rechter Schuh.

          Jetzt konnte der Deutsche Freundeskreis Yad Vashem in Berlin durch seinen Vorsitzenden Kai Diekmann bekanntgeben, dass fünf deutsche Unternehmen je eine Million Euro spenden, um ein neues Erinnerungsprojekt auf dem Gelände der weltweit größten Holocaust-Gedenkstätte zu unterstützen. Im Sommer soll gleich gegenüber der vielbesuchten „Halle des Gedenkens“ der Bau am „Haus der Sammlungen (aus der Zeit der Schoa)“ beginnen, einem Dokumentations- und Archivzentrum mit vier in den Berg hineingegrabenen Etagen und einer Fläche von fast sechstausend Quadratmetern.

          Die spendenden deutschen Unternehmen – Borussia Dortmund, Daimler, die Deutsche Bahn, die Deutsche Bank und Volkswagen – fanden zum Anlass die passenden Worte. Sie wollten die Geschichte, auch die eigene, schuldbeladene Firmengeschichte, lebendig halten, die Erinnerung stärken und ein Zeichen für Toleranz und Wachsamkeit setzen. Dahinter verbirgt sich bei einzelnen Unternehmen langjähriges Engagement, das aus guten Gründen nicht an die große Glocke gehängt wird. Und das ist auch schon alles. Das Richtige tun. Denkmal und Name.

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