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Corona und Stereotype : Der Rassist in uns

Corona? Mir doch egal! Auf dem Berliner Landwehrkanal herrscht Partystimmung Bild: Daniel Etter/laif

Fremd im eigenen Land: Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wird in Deutschland besonders eine Gruppe von Menschen angefeindet: Asiaten.

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          Einmal riefen Fremde ihr „Corona, Corona, verschwinde zurück in deine Heimat“ hinterher, als sei Catrin Nguyen das personifizierte Virus, als gelte es, sie zu vertreiben, um Deutschland vor der Pandemie zu beschützen. So, wie man eben mit Sündenböcken verfährt und wie es im 3. Buch Mose steht, wo einer von zwei unschuldigen Böcken in die Einöde der Wüste getrieben wird, wohin er sämtliche Sünden der Israeliten mitnehmen soll. Ein anderes Mal wies ein Taxifahrer die junge Studentin ab. Als sie auf einem Frankfurter Bahnsteig auf die S-Bahn wartete, schubste sie jemand.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wie Catrin Nguyen schlägt vielen asiatisch aussehenden Menschen hierzulande gerade Fremdenfeindlichkeit entgegen, auch wenn der antiasiatische Rassismus meistens erst dann Schlagzeilen produziert, sobald es zu Handgreiflichkeiten kommt wie in München. Dort besprühte ein Mann seine asiatischstämmige Nachbarin mit Desinfektionsspray und drohte, ihr den Kopf abzuschneiden. Oder in Berlin, wo eine Koreanerin und ihr Freund auf einem Bahnsteig beleidigt und geschlagen wurden. Sie erstatteten Anzeige, ein für Koreaner mutiger Schritt. Seinen Landsleuten seien solche Vorfälle eher peinlich, sagte der koreanische Botschafter in Berlin, Bum Goo Jong, in einem Interview.

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