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„Freitag“-Autorin Petra Reski : Von der Mafia lernen heißt schweigen lernen

Beantragt hatte der Italiener, der in Erfurt ein Eiscafé und Restaurant betreibt, die Verfügung am 28. Juni 2016, mehr als drei Monate nach Veröffentlichung. Der in Venedig lebenden Journalistin konnte sie erst im November 2016 zugestellt werden, im September 2016 wandte sich der Kläger auch an den „Freitag“. Dass eine Zeitung, die mit der Entscheidung, den Artikel zu drucken, hinter dem Autor steht, sich im Falle einer juristischen Auseinandersetzung vor diesen stellt, sich mit ihm berät und dagegen wehrt, ist übliche Praxis. Eine Umfrage unter Justitiaren und Medienrechtlern ergab, dass keiner von einem Fall gehört hat, in dem nicht so verfahren wurde. Ja, selbst dann, wenn die Zeitung im Nachhinein zu einer anderen juristischen Bewertung kommt als der Autor, übernehme sie in der Regel das Risiko. Der „Freitag“ aber hat gar nicht erst versucht, seiner Autorin beizuspringen, sondern den Artikel ohne Rücksprache mit ihr gleich von der Internetseite gelöscht.

„Redaktionen sind keine Rechtschutzversicherung“

„Die Anwaltskosten sind für einen kleinen Verlag wie unseren eine ziemliche Belastung“, habe ihr die zuständige Redakteurin, mit der sie mehrfach gut zusammengearbeitet habe, erklärt, sagte Petra Reski der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Vom „Freitag“ fühlt sie sich im Stich gelassen: „Dass die Gerichts- und Anwaltskosten für eine kleine Autorin wie mich, die an dem Artikel 321 Euro brutto verdient hat, eine ziemliche, wenn nicht sogar größere Belastung sind, darauf scheint beim ‚Freitag‘ niemand gekommen zu sein.“ Um eine Stellungnahme gebeten, sagte Jakob Augstein, der Herausgeber des „Freitag“, der F.A.Z.: „Wir sind als Zeitung darauf angewiesen, uns auf die korrekte Arbeit unserer Autoren zu verlassen. Wenn wir unwissentlich Behauptungen drucken, die sich als nicht haltbar erweisen, müssen wir die Zusicherung geben, solche Behauptungen nicht zu wiederholen. Das ist in der deutschen Medienlandschaft die übliche Praxis und gerade in Zeiten, die von den Stichworten ‚Fake News‘ und ‚Lügenpresse‘ geprägt sind, richtig und wichtig.“ Auf den Vorwurf der fehlenden rechtlichen Unterstützung angesprochen, sagte er: „Redaktionen sind keine Rechtschutzversicherung für mangelhafte Recherche.“

Damit übernimmt Augstein nicht nur ungeprüft die Entscheidung aus Leipzig, sondern diskreditiert auch die zuvor von der Zeitung geschätzte Autorin und teilt mit, was eine freie Mitarbeit beim „Freitag“ bedeuten und kosten kann. Für Petra Reski mag diese Erfahrung ein Argument mehr sein, statt investigativer Artikel und Sachbücher besser Romane über die Mafia zu schreiben. Im August erscheint bei Hoffmann und Campe ihr dritter Roman über die Mafia-Ermittlerin Serena Vitale „Bei aller Liebe“.

Gute Gründe dafür, das Genre zu wechseln, gibt es für sie schon länger: Angefangen mit jener Begebenheit 2008 in Erfurt, als bei ihrer Lesung ein elegant gekleideter Italiener aufstand, die Kläger gegen ihr Buch „Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ verteidigte und die Autorin ironisch zu ihrem Mut beglückwünschte. „Der Unterlassungsantrag an meine Adresse in Venedig“, so berichtet sie, „enthielt einen Zusatz auf das Stockwerk, obwohl ich das nie angebe. Das kriegt nur raus, wer vor der Wohnungstür gestanden hat.“

Petra Reski weiß, was ihr damit mitgeteilt wird.

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