https://www.faz.net/-gqz-a47b7

Angst vor Corona : Der Phobiker in uns

Eine Strategie gegen Angst: Wütend sein und demonstrieren Bild: dpa

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt sprunghaft: Den einen lässt das kalt, den anderen packt die nackte Panik. Wie entstehen unsere Ängste?

          5 Min.

          Man muss kein Hypochonder sein, der im Geiste Krankheiten sammelt, um nach sieben entbehrungsreichen Monaten doch noch jener Infektionsangst zu erliegen, gegen die man sich so tapfer gewehrt hat. Die Neuinfektionen steigen sprunghaft. Tag für Tag tönen die Stimmen der an die Bevölkerungsvernunft appellierenden Corona-Mahner und Warner aus Wissenschaft und Politik nicht nur lauter, sondern auch alarmierender. Das Schreckgespenst eines zweiten Lockdowns wird an die Wand gemalt, obwohl es hierzulande genaugenommen nur einen ersten Shutdown gab. Im Gegensatz zu Italien und Spanien wurde in Deutschland nie eine Ausgangssperre verhängt. Der RKI-Chef Lothar Wieler warnt vor den drei Gs: „Gedränge, Gespräche, geschlossene Räume.“ Auch der letzte Querkopf soll endlich kapieren, dass die Covid-19-Sommerpause, in der selbst Christian Drosten in den Urlaub verschwand, vorbei ist. Nur leistet der Mahnung zur Vorsicht längst nicht jeder bereitwillig Folge, was die beunruhigend steigenden Infektionszahlen zeigen. Denn während für die einen die Angst vor dem Virus so ansteckend wie das Virus selbst ist, perlt sie an anderen ab. Wie lässt sich das erklären?

          Jeder Mensch lebt in einem spezifischen Angstkosmos. Je nach Erfahrungen, traumatischen Erlebnissen und genetischer Disposition hat er seine Angstwelt mit Warnschildern ausgestattet, vielleicht no-go-areas benannt (etwa Flugzeuge, Aufzüge, öffentliche Toiletten) und, bei einer Phobie, stets Notfallpillen in der Tasche. Manche Phobien sind so irrwitzig – die Xanthophobie (Die Angst vor der Farbe Gelb) oder die Trypophobie (Angst vor einer Häufung kleiner Löcher wie in Bienenwaben oder Schwämmen) –, dass man darüber lachen könnte, würden die Betroffenen nicht seelisch und körperlich furchtbar leiden. Im Alarmzustand rast das Herz, man schwitzt, zittert, spürt Übelkeit, bekommt Durchfall, eine Panikattacke droht. Und niemand ist mit hundertprozentiger Sicherheit davor gefeit, selbst zum Phobiker zu werden.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Sicher ist sicher: Wenn nicht immer genug Abstand gehalten werden kann, empfiehlt es sich, die Maske auch im Büro zu tragen.

          Corona am Arbeitsplatz : „Tröpfchen fliegen bis zu 20 Meter weit“

          Nicht jeder kann sich vor der Pandemie ins Homeoffice flüchten. Der Arbeitsmediziner David Groneberg erklärt, wie groß die Corona-Gefahr im Büro ist, welches Raumklima die Viren mögen und was man alles noch nicht weiß.
          Polizisten in Essen kontrollieren den Mercedes zweier junger Männer.

          Forscher im Interview : „Mit Demokratie kommen Clans nicht gut zurecht“

          Früher dachte man bei Clans an schottische Hochlandbewohner, die einander die Köpfe einschlagen. Heute denkt man an Drogenhandel und Schweigegelübde. Ein Interview mit Clan-Forscher Ralph Ghadban, der sagt: „Junge Frauen spielen eine entscheidende Rolle“.