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Auslieferungsantrag : Wie denkt England über Julian Assange?

  • -Aktualisiert am

Unterstützer-Plakate vor Westminster in London Bild: AP

In einer Woche beginnen die Verhandlungen über den Auslieferungsantrag von Julian Assange. Dass er in England nicht viele Unterstützer findet, liegt auch an der Persönlichkeit des Whistleblowers.

          3 Min.

          Am kommenden Samstag werden sich prominente Unterstützer der Kampagne gegen das Auslieferungersuchen der Vereinigten Staaten für den australischen Wikileaks-Gründer Julian Assange vor Australia House treffen, dem Sitz der australischen Hochkommission am Trafalgar Square. Von dem oft als Herz des Empire bezeichneten Platz planen sie einen Protestmarsch hinunter zur Mutter der Parlamente. Zwei Tage später beginnen an einem Gericht nahe dem Gefängnis von Belmarsh, in dem Assange seit April vergangenen Jahres inhaftiert ist, die Verhandlungen über den Auslieferungsantrag, bei denen, so der australische Journalist John Pilger, der „wahre Journalismus das einzige Verbrechen ist, das auf dem Prüfstand steht“.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Pilger, der es zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, die „imperiale“ Außenpolitik der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten anzuprangern, macht viel aus der Symbolik der Schauplätze. In einem Beitrag über das bevorstehende Verfahren bezeichnete er Australia House als Relikt des Empire das „antipodischen Politikern eine angenehme Pfründe bietet: ein ‚Kumpel‘ wird belohnt oder ein Unruhestifter exiliert.“ Das Empire-Motiv weiterführend beruft er sich auf den berühmten Satz von Lord Curzon, den viktorianischen Vizekönig in Indien, der die Länder Zentalasiens als Stücke auf einem Schachbrett bezeichnete, auf dem „das große Spiel um die Weltherrschaft“ ausgetragen werde.

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