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Proteste in Beirut : Zurück in die Moderne

  • -Aktualisiert am

Technopartys und Graffiti: Die Menschen in Beirut feiern ihren Drang nach Freiheit Bild: AFP

Im Zentrum der libanesischen Hauptstadt schlug vor dem Bürgerkrieg das Herz des Landes. Nun besetzen die Demonstranten in Beirut den öffentlichen Raum – und erobern seine Geschichte zurück.

          5 Min.

          Noch wissen die Libanesen nicht, wohin ihr Aufbegehren das Land politisch führt. Aber nach drei Wochen andauernder Proteste haben sich in ihr kulturelles Gedächtnis bereits neue Bilder und Erzählungen gegraben. Die stärkste Erzählung ist die von der Einheit. Vom sunnitisch dominierten Norden über das konfessionell gemischte Beirut bis in den schiitischen Süden des Landes gehen die Menschen auf die Straßen – kollektiv in die Ecke getrieben von einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise und vereint in der Forderung, die korrupte Führung des Landes möge abtreten. Etwas Vergleichbares hat es im Libanon seit Jahrzehnten nicht gegeben.

          Lena Bopp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Über die „Schönheit“ dieser Proteste wurde deswegen viel gesprochen, was den an der American University of Beirut lehrenden Fares Chalabi kürzlich dazu veranlasste, über das Bild dieser sogenannten Revolution nachzudenken. Im „Ei“, einem früheren Kino, das im Bürgerkrieg zerschossen und danach gesperrt, während der Proteste aber von Professoren streikender Universitäten für öffentliche Lesungen genutzt wurde, erläuterte er, wieso sich dieser Begriff so schnell durchgesetzt hat. Er würdige, so Philosophiedozent Chalabi, die Auflösung des scheinbaren Widerspruchs, dass eine Protestbewegung als Einheit wahrgenommen wird, die ohne Identität, ohne Konzept und ohne politisches Programm angetreten sei. Die Einheit manifestiere sich in spontan entstandenen Slogans, Liedern und Aktionen. Sie weise auf etwas hin, das sich im Entstehen befinde: „Sie formuliert ein Versprechen.“

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