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Europäische Wissenschaft : Ausgebeutet von China

  • -Aktualisiert am

Erstsemester bei der Eröffnungszeremonie zum Beginn des neuen Semesters an der Huazhong University of Science and Technology in Wuhan Bild: dpa

Ein Recherchenetzwerk findet heraus, dass China die europäische Wissenschaft gezielt für den Aufbau seiner Armee einspannt. Auch hier ist es Zeit für einen Kurswechsel.

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          Wie sich der chinesische Präsident Xi Jinping die Welt im Jahr 2049, also zum hundertsten Geburtstag der Volksrepublik, vorstellt, hat er oft genug deutlich gemacht. China ist dann die mächtigste Nation der Welt. Dazu braucht es die stärkste Armee, und weil man das aus eigenen Kräften nicht erreichen kann, die freundliche Unterstützung der europäischen Wissenschaft. Schon 2007 wurden über das Tausend-Talente-Programm chinesische Wissenschaftler in alle Welt geschickt, um mit dem dort erworbenen Wissen den Aufstieg zu beschleunigen. Die Militärbehörden fungierten als heimliche Verbindungsoffiziere und brachten ihre Landsleute gezielt in Forschungsprojekten unter, die für China militärisch gewinnbringende Erkenntnisse versprachen. Die deutschen Hochschulen und Institute nahmen das Geld dankend an, für das sie sich ausnahmsweise einmal nicht selbst bewerben mussten.

          Wie stark sich die europäische Wissenschaft für Chinas militärischen Aufstieg hat einspannen lassen, hat jetzt ein Konsortium aus elf europäischen Medien um die Investigativ-Netzwerke Correctiv und Follow the Money enthüllt. Das Rechercheteam untersuchte dreißigtausend Publikationen aus den Jahren 2000 bis 2022 auf Verbindungen zum chinesischen Militär. Europaweit wurde man in knapp dreitausend Fällen fündig. Deutschland liegt mit 348 Publikationen weit oben. 48 deutsche Hochschulen kooperieren oder kooperierten mit chinesischen Einrichtungen, die dem Militär nahestehen, manche von ihnen gehen das Risiko bewusst ein und verweisen auf interne Prüfverfahren; andere geben an, vom militärischen Hintergrund nichts zu wissen.

          Das Ergebnis kommt nicht unbedingt überraschend. Es ist die Konsequenz einer Politik, die lange Zeit Maßstäbe an ein Land angelegt hat (und immer noch anlegt), das sich selbst ganz andere gegeben hat. Die von der deutschen Verfassung garantierte Forschungsfreiheit wird von einem chinesischen System ausgebeutet, das die Wissenschaft seit der 2017 beschlossenen militärisch-zivilen Fusion konsequent der Armee unterstellt. Sicher ist aus europäischer Sicht nicht immer klar zu erkennen, ob eine wissenschaftliche Erkenntnis auch militärisch verwendet werden kann. Die Dokumente zeigen in manchen Fällen aber auch einen erstaunlich naiven oder sogar fahrlässigen Umgang mit Risiken. Dass die kritisierten Kooperationen reihenweise auch die National University of Defence Technology betreffen, die besonders enge Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee unterhält, hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Wo eine militärische Ableitung möglich ist, sollte man künftig auf die Kooperation verzichten. In der China-Strategie, die das Bundesforschungsministerium gerade überarbeitet, darf dieser Punkt nicht fehlen.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

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