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Nach dem Einfluss von MeToo : Jetzt kommen die Kriegerinnen der Menopause

  • -Aktualisiert am

Devina McCall, Marcella Frostrup, Lisa Snowden und Patsy Kensit unterstützen die Kampagne zur Verbesserung der medizinischen Aufklärung über die Behandlungsmöglichkeiten in der Menopause. Bild: picture alliance / SOLO Syndication

Auch die Medizin vernachlässigt den weiblichen Körper: In England haben sich Frauen in den Wechseljahren als diskriminierte Minderheit entdeckt und kämpfen um Aufklärung und Ressourcen. Ein Gastbeitrag.

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          Auf den ersten Blick scheint es absurd und überhaupt nicht zu den Briten zu passen. Schließlich gilt der angelsächsische Raum als protestantisch-puritanisch, als prüde und wesentlich verklemmter, was das Körperliche angeht, als das alte Europa. Wird man als Frau beim Arzt untersucht, legt dieser fürsorglich eine Decke über den Unterleib, damit man „sich selbst nicht sehen muss“. Zu dieser Schamhaftigkeit mag die lautstarke Debatte zunächst überhaupt nicht passen, die derzeit in Großbritannien über die Wechseljahre und all ihre in allen Einzelheiten ausgebreiteten Symptome geführt wird. Radio, Fernsehen, Twitter sowieso haben ein neues Lieblingsthema entdeckt. Unter sprachwitzigen Titeln wie „Still Hot!“ oder „Quilt on Fire: The Messy Magic of Midlife“ erscheinen immer neue Sachbücher zu jenem Thema, das bis vor wenigen Jahren entweder totgeschwiegen oder euphemistisch hinter vorgehaltener Hand als „the change“ verharmlost wurde.

          Dass dieses einstige Tabu nun so untypisch forsch gebrochen wird und die Offenheit der Auseinandersetzung selbst die im normalerweise progressiveren deutschen Raum weit übertrifft, ist wohl nur durch den Einfluss der MeToo-Bewegung zu erklären. Frauen in den Wechseljahren haben sich plötzlich als diskriminierte Minderheit entdeckt, als doppelt benachteiligte Schnittmenge zweier Opfergruppen – Frauen und Alte. Es ist, als ob erst MeToo sie das notwendige Selbstbewusstsein und die Anspruchshaltung lehren musste, mit der man sich heutzutage Gehör verschafft. Wie die jüngere Geschichte gesellschaftlicher Machtkämpfe von der LGBTQ+-Bewegung über Black Lives Matter bis MeToo beweist, gelingt das nämlich am besten als Opfer.

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