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Streit um Netzverwaltung : Wer regiert die virtuelle Welt?

  • -Aktualisiert am

Die „Heatmap“ der vorhandenen Internetverbindungen zeigt: In den Vereinigten Staaten und in Europa ist am meisten los. Bild: John Matherly/Shodan

Die wichtigsten Internet-Adressen verwaltet die unabhängige Institution Icann in Amerika. Sie soll sich von den Vereinigten Staaten lösen – und gerät in den Wahlkampf. Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          In die Wirren des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs ist nun auch Icann, die private Gesellschaft, die sich um Internetadressen kümmert, geraten. Der Casus Belli, den die Republikaner ausgemacht haben, heißt „IANA-Transition“. Damit ist die lange geplante Entlassung einer wichtigen Aufgabe der Icann (Internet Corporation for Assigned Namens and Numbers) aus amerikanischer Oberaufsicht gemeint. Der republikanische Senator Ted Cruz interpretiert das jedoch als gefährliche Machtübernahme. Die Regierung Obama, so Cruz, verschenke amerikanisches Eigentum, Russland und China übernähmen das Internet, dessen Freiheit nicht mehr garantiert sei. Bei einem Hearing im Kongress droht Cruz Mitarbeitern des Wirtschaftsministeriums an, er werde sie verklagen, sollten sie daran mitwirken, dass sich die jetzigen Verhältnisse bei Icann wie geplant zum 30. September ändern.

          Cruz’ Argumente sind allerdings wenig stichhaltig. Der „IANA-Vertrag“ hat nichts mit Internet-Zensur in China zu tun, er errichtet vielmehr hohe Hürden für Zensurversuche. Dass eine Regierung die Icann-Registratur übernimmt, ist ausgeschlossen. Gefährdet wird diese jedoch durch die Aspirationen von Cruz und seinen Unterstützern.

          Weltweit einheitliche Datenbank

          Worum es geht, ist nicht ganz leicht zu verstehen: Die „IANA-Funktion“ ist ein technischer Vorgang, der garantiert, dass es eine weltweit einheitliche Datenbank gibt, in der die sogenannten „Zonefiles“ der „Top Level Domains“ gespeichert sind. Top Level Domains sind grundlegende Adress-Markierungen wie „.com“ oder „.berlin“ zum Beispiel. Ihre Festlegung ermöglicht einen leichten Datenverkehr im Netz. Will heißen: Ein Nutzer mit einer „.de“-Adresse findet leicht eine Website in einer „.info“-Domain und kann E-Mails an eine „.org“-Domain schicken. Das System der Domainnamen (DNS) wurde in den achtziger Jahren vom Internetpionier Jon Postel erfunden und verwaltet. Regierungen waren nicht beteiligt. Postel delegierte Länderdomains per Handschlag. Als er 1986 die „.de“-Domain delegierte, nahm weder der Bundestag noch die Bundesregierung davon Kenntnis. Damals gab es acht registrierte „.de“-Namen. Heute sind es mehr als sechzehn Millionen.

          Als die Registrierung solcher Namen regelrecht explodierte, war klar, dass dies keine One-Man-Show bleiben konnte. Das amerikanische Wirtschaftsministerium, das einen Teil von Postels Forschungen bezahlt hatte, schlug seinerzeit vor, die Sache zu institutionalisieren, aber unabhängig von staatlichem Einfluss zu regeln. So geschah es. 1998 wurde Icann gegründet, die amerikanische Regierung hielt ihre schützende Hand darüber und nahm insofern Einfluss, als sie gewissermaßen als Notar fungierte. Icann berichtete an das Wirtschaftsministerium, das sich vorbehielt, die Veröffentlichung der „Zone Files“ zu autorisieren.

          Das Multistakeholder-Modell

          Intern organisierte sich Icann als Multistakerholder-Institution - mit Vertretern aus der Gesellschaft, der Wirtschaft und der technischen Community. Regierungen sind auch vertreten, aber sie sitzen in einem beratenden Ausschuss, dessen Empfehlungen für das Direktorium von Icann nicht bindend sind. Ursprünglich hatte die amerikanische Regierung schon unter Bill Clinton vorgehabt, Icann nach zwei Jahren ganz in die Unabhängigkeit zu entlassen. Doch das erwies sich als illusorisch. Das Multistakeholder-Modell brauchte eine Weile, um sich zu etablieren und auszuformen. So günstig es ist, eine globale virtuelle Ressource einer derartigen Einrichtung zu übergeben, so aufwendig gestaltete sich der Meinungsbildungsprozess darüber, in welcher Form sich Icann verändern solle und in welcher nicht.

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