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Europa als Weltmacht? : Die Kreuzritter der Moderne

  • -Aktualisiert am

Krieg nennt sich heute „humanitäre Intervention auf militärischer Basis“: Szene aus dem Bosnien-Krieg im Jahr 1993. Bild: Wolf Böwig

Wir leben im Zeitalter der Kreuzzüge. Wer wie Joschka Fischer fordert, Europa müsse Weltmacht werden, versteht die Lehren der Geschichte nicht. Ein Gastbeitrag.

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          Früher habe ich die Geschichten über die Kreuzfahrer genossen: Barbarossa, das Königreich der Himmel, Richard Löwenherz, Gottfried von Bouillon. Ein Freund brachte mir Steven Runcimans „Geschichte der Kreuzzüge“ mit, ein in den fünfziger Jahren erschienenes Meisterwerk erzählender Geschichtsschreibung, das einen von der ersten Seite an anspringt. Als ich die Geschichte dieser Bewegung wieder las, von ihrem Beginn im elften Jahrhundert bis zu ihrem Niedergang im vierzehnten, bin ich erschrocken über die vielen Parallelen der damaligen Welt mit der heutigen, bei dem Versuch, die Pforten der Hölle zu überwinden.

          „Gesta dei per Francos“: Gottes Werk von der Franken Hand! Das Werk von Runciman als eine Geschichte des Glaubens und der Torheit geschrieben, des Mutes und der Habgier, der Hoffnung und ernüchternden Enttäuschung: „In der langen Folge von Zusammenwirken und Verschmelzung zwischen Morgenland und Abendland, aus welcher unsere Zivilisation erwachsen ist, waren die Kreuzzüge eine tragische und zerstörerische Episode. Der Geschichtsschreiber, der über die Jahrhunderte hinweg auf ihre Geschichte ritterlichen Wagemuts zurückblickt, sieht seine Bewunderung überschattet von Trauer über das Zeugnis, welches sie für die Beschränktheit der menschlichen Natur ablegt. So viel Mut und so wenig Ehre, so viel Hingabe und so wenig Verständnis!“

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