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Sexuelle Übergriffe in Köln : Keine Ahnung, viel Meinung

Die Mitherausgeberin eines feministischen Magazins wird im Radio zu den Angriffen auf Frauen an Silvester in Köln befragt. Was folgt, ist ein Offenbarungseid nach dem Motto: Ich weiß von nichts.

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          Normalerweise ist das Interview am Morgen im Deutschlandfunk ein Muss und sorgt für Aufklärung und Erhellung. Hier kommt keiner mit Phrasen weg. Normalerweise. Am Montag war das anders. Da war Stefanie Lohaus am Apparat, Mitherausgeberin der feministischen Zeitschrift „Missy Magazine“. Sie sollte etwas zu den Gewalttaten gegen Frauen in der Silvesternacht in Köln und zu der von der Bundesregierung geplanten Verschärfung des Sexualstrafrechts sagen. Das war schwierig.

          Stefanie Lohaus musste nämlich einräumen, sie kenne den Gesetzentwurf „nicht so hundertprozentig“. Was im Klartext heißt: Sie kennt ihn offenbar gar nicht. Sie wusste jedenfalls nichts Genaues zu dem Versuch zu sagen, überfallartiges Begrapschen als sexuelle Nötigung zu bestrafen. Sie weiß nur, da fehlten „schon einige Vorschläge“, die „von Expertinnen, die sich in dem Bereich sexuelle Selbstbestimmung, sexuelle Gewalt beschäftigen, Juristinnen, aber auch Praktikerinnen“, stammten, um „einen vollständigen Schutz der sexuellen Selbstbestimmung zu gewährleisten“.

          Neue Disziplin: „Betreutes Fragen“

          Welche genau, das wusste Stefanie Lohaus wiederum nicht zu sagen. Spätestens an diesem Punkt hätte der Moderator abbrechen, Musik einspielen, das nächste Thema eröffnen oder - wie es beim Deutschlandfunk sonst üblich ist - insistieren und nachhaken müssen. Doch das tat er leider nicht. Er machte vielmehr weiter mit einer Lektion, die wir einmal „Betreutes Fragen“ und nicht mehr Interview nennen wollen.

          So konnte Stefanie Lohaus dann etwas über das vor langer Zeit sehr strittige Thema Vergewaltigung in der Ehe und über die Initiative „Aufschrei“ sagen, und - es wurde immer bizarrer - sie konnte bekennen, dass sie von den Ereignissen in Köln an Silvester erst „mitbekommen“ habe, als sie von der Publizistin Birgit Kelle wegen einer fehlenden Reaktion ihrerseits kritisiert worden sei. Keine Ahnung von gar nichts, würden wir an dieser Stelle als Zwischenfazit ziehen und darauf warten, dass dem Moderator hörbar die Kinnlade herunterfällt. Tat sie aber nicht.

          Sodass wir als Nächstes zu hören bekamen, das Spezifikum der Taten, über die seit Silvester geredet wird, sei nicht die Herkunft der Täter aus dem arabischen Raum, sondern dass dies „in Köln, in Deutschland“ passiert sei. „Weiße Männer“ meinten nun, sie müssten „weiße Frauen beschützen“, darum gehe es hier, sagte Stefanie Lohaus. Und das sei „unglaublich schlimm und problematisch, weil zum einen heißt das ja, dass andere Frauen oder andere Menschen nicht beschützt werden, und zum anderen ist das ja Selbstjustiz“.

          Solche Selbstjustiz hätten zum Beispiel auch zwei „weiße Männer“ geübt, die jemanden verprügelt hätten, der „nicht weiß“ gewesen sei und eine Bekannte von ihr in der U-Bahn belästigt habe, die dazu dann bei Facebook bemerkt habe: „Das geht halt nicht so.“ Womit gemeint war: dass die beiden Männer den Mann, der sie belästigt hatte, verprügelten, das geht nicht. An dieser Stelle bedankte sich der Moderator für die „Eindrücke“ und für die „Analysen“ der Magazinmacherin. Und etwas anderes, als sich für einen solchen Beitrag zu einem solch ernsten Thema höflich zu „bedanken“, kann man wohl auch gar nicht tun.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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