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Maschinen und Kunst : Der Kuratorenbot wird’s richten

  • -Aktualisiert am

Einige Ausstellungskataloge lesen sich, als wäre der Text aus dem Sprachbot gepurzelt. Bild: dpa

Weil Menschen auf dem globalen Kunstmarkt längst den Durchblick verloren haben, sollen doch Maschinen übernehmen. Das Ergebnis wäre womöglich kreativer als einiges, was angeblich echte Kuratoren in Kataloge drucken.

          „The Next Documenta Should be Curated by a Machine“ heißt ein Projekt des Netzkünstlers Hans Bernhard, das er im vorigen Jahr im Düsseldorfer NRW Forum vorgestellt hat. Die nächste Documenta sollte von einer Maschine kuratiert werden, fordert Bernhard, von einer algorithmisch gesteuerten Künstlichen Intelligenz. Denn Menschen hätten auf dem explodierenden globalen Kunstmarkt mit Zehntausenden Künstlern und Abermillionen Werken längst den Durchblick verloren. Billiger als die Pleite der Documenta14 käme ein solcher Ausstellungsautomat sowieso.

          Auf der Website „Google Arts& Culture“, wo der Datenriese präsentiert, was er mit seinem „Cultural Institute“ rund um den Globus alles zusammengescannt hat, besorgen schon heute Algorithmen die Auswahl – und Besucher der virtuellen Schauräume, vulgo Nutzer, können „mit Tools nach Entstehungszeit und Farbe stöbern“. Ist das nicht kreativ?

          „Lesarten“ und „Gründungsmythen“

          Kreativer jedenfalls als so einiges, was angeblich echt menschliche Kuratoren an Kuratorensprech in Kataloge und auf Ausstellungswände drucken, was sich aber liest wie aus dem Sprachbot gepurzelt. „KünstlerIn“ XY, heißt es dort etwa, „zählt zu den bedeutendsten künstlerischen Positionen der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts“, das „Œuvre erstreckt sich seit...“ (hier Jahreszahl einsetzen) und stelle „eindeutige Bezüge zu aktuellen Diskursen her“, beispielsweise „politisch bedingtem Nomadismus“, Gender, Feminismus, Identität, politischen Konflikten, marktorientierten Denkmustern – Spannungen in der „gleichsam universalen globalen Sphäre“. Gerne auch „Lesarten“ und „Gründungsmythen“ des Digitalen oder „Zugangs- und Partizipationsformen“, in denen „Kolonialgeschichten nachschwingen“.

          Wichtig bei einer Performance, also für die „Handlungsmacht des Körpers“, sind „Verweise“ auf die „Praktiken“ der Kunst, mit deren Hilfe „Rollen hinterfragt“ werden, die „Narrativen“ der Gesellschaft entstammen, als ein Beitrag zur „Problematisierung“ von „institutioneller Gewalt“. Das kann auch in „kollaborativer Praxis“ geschehen, als „immersive“, über „reine Kritik hinausgehende“ Kritik an „Konfigurationen“ mit dem Ziel, einen „Referenzpunkt“ zu setzen, was wiederum den „explorativen Geist des Projekts“ illustriert und dessen „subtile Ästhetik“.

          Nun ja, wir übertreiben ein wenig. Aber mit solcherart „Diskurs“-Versatzstücken gefüttert, die echten Museumstexten entstammen, könnte schon der simpelste Kuratorenbot Katalogprosa verfassen, kaum zu unterscheiden vom humanen Original. Was für ein Jammer. Denn wenn es eine Disziplin gibt, in der sich der Mensch nichts von Maschinen vormachen lassen soll, dann doch: die verständliche und beseelte Deutung von Kunst.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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