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Kryptowährung : Homo ludens

  • -Aktualisiert am

Ist der Hype um Dogecoin vorbei, oder fängt er gerade erst an? Bild: Reuters

Der Tesla-Chef manipuliert den Kurs der Kryptowährung Dogecoin, wie es ihm gefällt. Und seine Jünger reagieren auf jeden Tweet im Sekundentakt.

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          Als der „Dogefather“ Elon Musk vor ein paar Tagen per Twitter der Kryptowährung Dogecoin wieder seinen kurz zuvor entzogenen Segen erteilte, war es hierzulande tiefe Nacht. Die meisten Kryptojünger dürften von der Kehrtwende des umstrittenen Tesla-Chefs und Börsenpopstars erst am nächsten Morgen erfahren haben, als sie schlaftrunken nach ihrem Smartphone griffen, die Kurse checkten und feststellten, dass der anfangs als Spaßwährung verlachte Dogecoin rasant gestiegen war. Verdammt, wieder hatte man den Einstieg verpasst! Vielleicht beim nächsten Musk-Tweet, falls man ihn nicht verschläft.

          Der Homo ludens, der dank einer großen Auswahl an Apps das Kasino nun stets in seiner Hosentasche trägt, darf weiter hoffen. Denn Elon Musk, der „Zentralbanker der Kryptos“, dem bei Twitter knapp 55 Millionen Menschen folgen, scheint den Märkten wieder und wieder beweisen zu wollen, dass Information die wichtigste Ressource im Kasino-Kapitalismus ist. Im Zusammenspiel zwischen Finanzindustrie, Informationskapital und Meinungsmärkten, schreibt der Kulturwissenschaftler Joseph Vogel in seinem Buch „Kapital und Ressentiment“, sei der Code der Information zu einem allgemeinen Wertstandard geworden, der finanzökonomische Geschäftskonjunkturen ebenso bestimme wie die Erregungskurven in sozialen Medien. Wenn Donald Trump twitterte, produzierte er weltweit Eilmeldungen, wenn Elon Musk twittert, löst er mitunter massive Preisschwankungen an den Märkten aus, und die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde wird unruhig.

          Gerade kommt hinzu, dass die Ödnis des Pandemiealltags den Spieltrieb besonders unter jungen Erwachsenen, von denen viele offenbar mehr an die Macht von Memes und weniger an langfristige Finanzstrategien und Diversifizierung des Portfolios glauben, befeuert hat. Im Unruhestifter Musk finden jene, deren Lebenselixier der Nervenkitzel ist, ihren Meister. Während im Reddit-Unterforum Wallstreetbets Musk sowohl gefeiert als auch verteufelt wird, hat Sotheby’s in New York ganz ohne Social-Media-Getöse seinen Kunden zum ersten Mal erlaubt, ein nicht digitales Kunstwerk mit Bitcoin oder Ether zu bezahlen. Von Musks Twitterkapriolen ließ sich das Auktionshaus nicht aus der Ruhe bringen. Versteigert wurde übrigens für knapp dreizehn Millionen Dollar ein Gemälde des Streetart-Künstlers Banksy mit dem Titel „Love ist in the air“. Wenn das mal kein Irrtum ist.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

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