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China und der Westen : Die Zweiteilung der Welt

„Great Criticism Series: Coca Cola“, Ölgemälde von Wang Guangyi, 2004 Bild: Bridgeman Images

Amerikanische Politikstrategen fordern die totale Abkopplung von China. Auch in Deutschland verfängt die Idee. Es wäre der Verrat des Westens an sich selbst.

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          Wie sich Covid-19 auf den Wettkampf der Systeme auswirken wird, ist noch nicht ausgemacht. Erst mal sieht es so aus, als ginge es bei dem sich rasant und durch das neue Pekinger Sicherheitsgesetz für Hongkong noch zusätzlich verschärfenden Ton zwischen Amerika und China nur um das Verhältnis des Westens zu einem Herausforderer; von einem neuen Kalten Krieg ist die Rede. Doch diese Beschreibung verkennt das Besondere der jetzigen Konstellation.

          Mark Siemons
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Schon seit einem guten Jahr gehen den Strategen in Washington und Peking Phantasien einer umfassenden „Entkopplung“ (Decoupling) der Systeme durch den Kopf, denen die Pandemie und Trumps Wahlkampf nun einen kräftigen Schub geben. Wenn diese Phantasien wahr würden, stünde nicht bloß eine bilaterale Beziehung, sondern die ganze Vorstellung einer gemeinsam sich modernisierenden, durch westliche Institutionen, Regeln, Prinzipien, Marken und Zeichen integrierten Welt auf dem Spiel. Mit anderen Worten: Der Westen selbst würde in seinem bisherigen, aufs Ganze der Welt ausgreifenden Selbstbild an ein Ende gelangen, sein Begriff bekäme einen ganz anderen Inhalt. Eine solche Entkopplung, hieß es in der amerikanischen Zeitschrift „Foreign Policy“, wäre nur mit dem plötzlichen Ende der ersten großen Globalisierung im Jahr 1914 zu vergleichen.

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