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„Weiße Kraft“ : Was am BMW M so hässlich ist

Kraftmeierei oder Ku Klux Klan: Christopher Bangle, Chefdesigner von BMW, spricht von „White Power” Bild: AP

Das ist schon keine Pechsträhne mehr: Christopher Bangle, der umstrittene Designchef von BMW, schwärmt von der Sportwagen-Serie M als „einer Art Achse weißer Kraft“. „White Power“ ist ein Kampfbegriff amerikanischer Rechtsradikaler.

          Kein Saab? Du fährst keinen Saab? Das muss sich die Hauptfigur in Alexander Osangs „Nachrichten“-Roman fragen lassen, der von einem ostdeutschen Tagesschau-Sprecher handelt, den es nach Hamburg verschlägt, wo jeder in der Medienbranche einen Saab fährt - was sonst? Also kauft sich auch Osangs Nachrichtensprecher einen. Dass Automarken symbolisches Kapital sind, ist nicht neu; bevor immer weniger Leute Opel fahren wollten, wollten das ja vor allem Beamte. Und wie an der deutschen, so ist der Saab auch an der amerikanischen Küste unter Oberschichtlern beliebt.

          Fragt man dort auf Teepartys, wofür „BMW“ steht, antworten diese Saab-Fahrer zum Beispiel „Black Man's Wheels“ - weil schwarze Amerikaner angeblich gern Modelle aus den Bayerischen Motoren Werken führen. Auch „Black Man Working“ ist möglich, kommt drauf an, wer antwortet. Keine Frage des sozialen Gewissens ist es aber, sich zu wundern, dass nun Christopher Bangle, der amerikanische Designchef von BMW, in einem Firmenvideo von der Sportwagen-Serie M als „einer Art Achse weißer Kraft“ spricht, von „wirklich starken weißen Autos“. Auf Englisch klingt es noch schärfer, weil „White Power“ ein Kampfbegriff amerikanischer Rechtsradikaler ist.

          Unglücksachse

          Das ist schon keine Unglückssträhne mehr, die Bangle da hat, das ist eine Unglücksachse. Seit langem ist er umstritten, weil sich BMW-Fahrer nicht an seine barocken Entwürfe gewöhnen wollten und sie mit Panzern verglichen, es gab auch mal eine Petition im Internet, ihn zu stürzen, zeitweilig wurde das Firmenkürzel als „Bangle Muss Weg“ übersetzt. Und auch jetzt rumort es wieder. Und natürlich lässt Bangle jetzt kardinalmeissnerhaft erklären, falsch interpretiert worden zu sein - weil der Satz von der Achse starker weißer Autos schon 2006 auf dem Genfer Autosalon gefallen sei und völlig unrassistisch darauf anspielen sollte, dass BMW seine M-Serie eben ganz in Weiß vorstellte.

          Das inkriminierte Video ist inzwischen vom Netz. Dafür kursieren dort immer noch Werbefilme aus demselben Jahr, in denen deutsche Automobilbauer deutsche Stereotypen umwerten: Sie zeigen einen weißgekleideten Ingenieurfreak von Volkswagen, der mit starkem deutschem Akzent aufgemotzte Autos zerschreddert - und einen Doktor Z, den Daimler-Zetsche, der mit genauso starkem Akzent und Schnauzer vorführt, wie man beim Chrysler eine Achse selbst demontieren kann. Das war lustig, weil sich diese Demontagedeutschen kleiner machten, als sie sind. Bangles Selbstdemontage dagegen wird seinen Akzent nicht los, weil „white power“ wenn nicht nach Ku Klux Klan, dann nach blöder Kraftmeierei klingt. Wirklich schade ist aber, dass sich bei all den Akzenten keiner mehr fragt, warum der BMW M eigentlich so hässlich ist.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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