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Sexuelle Belästigung im WDR : „Mehr als MeToo“

  • -Aktualisiert am

Monika Wulf-Mathies (r) und WDR-Intendant Tom Buhrow stellen in Bonn den Abschlussbericht zum Umgang des WDR mit sexueller Belästigung vor. Bild: dpa

Die ehemalige Gewerkschafterin Monika Wulf-Mathies hat geprüft, wie der WDR mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung umgegangen ist. Einen Grund sieht sie in strukturellen Problemen.

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          Am Mittwoch hat Monika Wulf-Mathies, die im April vom WDR-Intendanten Tom Buhrow beauftragt wurde, den Umgang des Senders mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung zu prüfen, den Abschlussbericht ihrer Untersuchungen vorgestellt. Der Bericht mit dem Titel „Mehr als #MeToo – die Verantwortung des WDR als Arbeitgeber“ basiert auf den Unterlagen zu bekannt gewordenen Fällen von sexueller Belästigung im WDR sowie auf Gesprächen mit Mitarbeitern. Das Grundproblem sieht Wulf-Mathies in strukturellen Bedingungen, die Machtmissbrauch begünstigten, und legt Empfehlungen für Kulturwandel im WDR vor. Insbesondere fordert sie eine Verbesserung des Betriebsklimas, mehr gegenseitige Wertschätzung, angepasste personelle Strukturen und klare Regeln.

          Sexuelle Belästigung sei eine hässliche Form von Machtmissbrauch, sagte Wulf-Mathies. Sie wolle verhindern, dass dies „als Skandal durch die Gazetten wandert und dann verschwindet“. Sie lobte die Bereitschaft des WDR, sich den Vorwürfen zu stellen und Maßnahmen zu ergreifen. Es bestehe immer noch ein „strukturelles Machtgefälle zwischen in der Regel männlichen Chefs und weiblichen Untergebenen“, das zu einem Nährboden für Machtmissbrauch und Diskriminierung werden könne.

          In den Fällen, die sich in den neunziger Jahren ereigneten, sei man Hinweisen zwar nachgegangen, habe aber zu wenig unternommen: „Die Verantwortlichen haben keine Nachfragen angestellt und auch nicht darauf hingewiesen, dass sexuelle Belästigung beim WDR nicht erwünscht ist.“ Auch sei „nicht erkennbar, dass Vorgesetzte über den Schutz von Frauen nachgedacht hätten“. Allerdings habe in den Neunzigern generell noch die Sensibilität für das Thema gefehlt. So habe es auch keine Regelungen gegeben, wie mit derartigen Vorwürfen umzugehen sei. Vor allem aber hätten betroffene Frauen kein Vertrauen gehabt, sich direkt an den Arbeitgeber zu wenden.

          Mut auf allen Ebenen

          In konkreten, kurzfristig umsetzbaren Vorschlägen zur Reform des Personalmanagements nannte Wulf-Mathies unter anderem die „Einübung einer neuen Feedback-Kultur“ und empfiehlt Fortbildungen und Mitarbeiterbefragungen. Doch damit allein sei es nicht getan: „Der Kulturwandel verlangt von allen Beschäftigten aktive Beiträge, um traditionelle Rollen, in denen man sich eingerichtet hat, zu hinterfragen.“ Weiterhin nannte sie die Einrichtung von Clearing-Stellen als „Drehscheibe für Informationen und Garant für schnelles Handeln“.

          WDR-Intendant Tom Buhrow sagte, er nehme die Empfehlungen sehr ernst, der Maßnahmenkatalog werde „nicht in der Schublade verschwinden“. Einige der Vorschläge seien in Arbeit, eine neue Dienstvereinbarung „so gut wie ausgehandelt“. Er erwarte auch Mut auf allen Ebenen der Führungskräfte im WDR: „Ich möchte einen WDR, in dem wir angstfrei miteinander umgehen. Es gibt Hierarchien, aber es gehört zur Führungsverantwortung dazu, dass man sich unangenehmen Dingen stellt.“

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