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Einfamilienhäuser : Was wird aus der liebsten Wohnform der Deutschen?

Vom Traumhaus zum ökologischen Albtraum: Deutsches Eigenheim-Glück in den fünfziger Jahren Bild: Siegfried Pilz/United Archives v

In Hamburg-Nord werden wegen der Wohnungsnot und des Klimawandels keine Baugenehmigungen für neue Einfamilienhäuser mehr erteilt. Dabei soll es nicht bleiben. Jetzt tobt eine Debatte.

          7 Min.

          Wenn man Magazine und Filme aus den fünfziger Jahren anschaut, muss man zu dem Schluss kommen, dass sich Glück für die Deutschen im Kern aus drei Bestandteilen zusammensetzt: Einem Einfamilienhaus mit Garten und Grill, einem Fernseher mit Bundesliga und Bier und, vor der Tür geparkt, einem Opel, mit dem man jeden Tag zur Arbeit und einmal im Jahr in den Süden fährt. Diese Grundpfeiler deutschen Wohlbefindens sind gerade dabei, alle gleichzeitig einzustürzen: An Reisen in den Süden ist wegen Corona sowieso nicht zu denken, das Fleisch schmeckt seit Tönnies nicht besser, Politik und Stadtplanung sind sich einig, dass Autos mit Verbrennungsmotoren aus den Städten verbannt und zwecks Klimaschutz mittelfristig generell verboten werden müssen – und seit ein paar Tagen tobt in den Medien, in Immobilien- und Architekturforen eine Debatte, die vom möglichen Verschwinden dessen handelt, was für viele die heiligste Errungenschaft der freien Welt ist: das Einfamilienhaus.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Der Anlass dieser Debatte ist genau genommen schon ein Jahr alt: Als im Februar 2020 der Politiker Michael Werner-Boelz (Die Grünen) zum Leiter des Bezirks Hamburg-Nord gewählt wurde, kündigte er an, keinen neuen Einfamilienhausbau mehr genehmigen zu wollen. Begründet wurde das mit dem großen Bedarf an Wohnraum – was man sogar verstehen kann: Hamburg-Nord ist kein Dorf, der Baugrund knapp, die Zersiedlung ein Problem; wer unbedingt ein Einfamilienhaus bauen will, kann zehn Minuten über die Landesgrenze fahren und sich in Schleswig-Holstein eins bauen. Sogar die Immobilienwirtschaft hat Verständnis: Hamburg könne „sich auf freien Flächen den Bau von Einfamilienhäusern gar nicht mehr leisten“, erklärte dazu Torsten Flomm, Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbandes Hamburg. Anders wäre die Lage, wenn das stimmte, was mehrere Medien jetzt aufgeregt berichten – dass nämlich Hamburg-Nord mit seinem Verbot kein bloß lokal relevanter Fall, sondern Testgelände künftiger grüner Wohnpolitik sei: Es wäre nur, schrieben mehrere Medien aufgeregt, eine Frage der Zeit, bis auch bundesweit, zumal im Fall einer grünen Regierungsbeteiligung, der Bau von Einfamilienhäusern so erschwert würde, dass die Typologie quasi aussterbe.

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