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Covid-19-Maßnahmen : Vergebliche Suche nach Sicherheiten

Was Wissenschaft leisten kann: Ein Doktorand der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf arbeitet an Proben für die Corona-Forschung. Bild: dpa

Corona als Crash-Kurs in Wissenschaftstheorie: Was uns die Diskussion über die Wirksamkeit der Covid-19-Maßnahmen über die Arbeitsweise moderner Forschung lehrt.

          5 Min.

          Zu spekulieren, wie die Gegenwart aussähe, wenn die Vergangenheit anders verlaufen wäre, ist kein einfaches Unterfangen. Die Alltagsweisheit, hinterher sei man immer schlauer, trifft strenggenommen nur selten umfassend zu – insbesondere gilt das für den Versuch, aus einem nicht eingetretenen Gefahrenszenario auf die Wirksamkeit eingesetzter Vorbeugungsmaßnahmen zu schließen. Ob tatsächlich die Prävention ausschlaggebend war oder ob die Gefahr ohnehin nie eingetreten wäre, ist im Einzelfall schwer zu entscheiden. Wir erleben das jetzt in der Corona-Krise, wenn wir versuchen, rückblickend die Situation in Deutschland zu bewerten: Waren die Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus übertrieben? Hätten weniger strikte Einschränkungen ausgereicht, um die Überlastung des Gesundheitssystems zu gewährleisten? Hätte die Wirtschaft geschont werden können oder gar müssen?

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Über diese Fragen lässt sich trefflich streiten, und auch wenn man in ihrer Beantwortung nie jeden Zweifel ausräumen können wird, gibt es doch einige empirische Anhaltspunkte. Die Pandemie hat die Erde schließlich in ein gigantisches Experimentierfeld verwandelt, in dem jedes Land auf andere Weise reagiert und einen anderen Verlauf der Infektionsausbreitung erfahren hat. Die Daten, die all das wiedergeben, stehen mittlerweile gesammelt zur Verfügung und können einen Eindruck davon vermitteln, in welchem Verhältnis eingesetzte Maßnahmen und die Entwicklung der Infektionszahlen zueinander stehen. Ihre Interpretation ist nicht einfach, jedes Land ist anders, viele Faktoren spielen eine Rolle für die nationalen Verläufe der Epidemie. Umfangreiche statistische Analysen verschiedener Forschungsgruppen zeigen aber übereinstimmend: Länder, die früh mit Maßnahmen reagiert haben, wurden weniger schwer getroffen, Verbote von Großveranstaltungen, Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen bremsen die Ausbreitung der Krankheit ab.

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