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KI in Medizin und Pflege : Macht euch doch mal nützlich

Ich schau dir in die Augen, Kleines: Diesen Roboterassistenten für die Pflege Demenzkranker hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden entwickelt. Bild: ZB

Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Gefahr oder Hilfe? Das ist eine Frage der Perspektive. In der Medizin zeigt sich das ganz besonders.

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          Wer behauptet, die Menschen verließen sich zu sehr auf Computer, kennt die Geschichte von Lexmed nicht. Lexmed ist ein lernfähiges Diagnosesystem, das bei der Erkennung von Blinddarmentzündungen hilft. Fünfzehn mögliche Symptome gibt es dafür, die Diagnose ist also komplexer, als man es bei einem solch alltäglichen medizinischen Fall vermuten würde – und nicht jeder Arzt kann alle fünfzehn Symptome aus dem Stand herunterbeten. Da setzt Lexmed an, und wenn sich nach der Operation herausstellt, dass der Blinddarm trotz hoher Wahrscheinlichkeit nicht entzündet war, lernt das System dazu und wendet dieses Wissen künftig an. Bereits 1999 stellte das Institut für Künstliche Intelligenz der Hochschule Ravensburg-Weingarten den Prototyp fertig und testete ihn erfolgreich in einem Krankenhaus.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Die Idee der Entwickler war, Lexmed weiterzuentwickeln und mehr Symptome und Diagnosen einzuspeisen. Es hätte eine Art digitaler Dr. House werden können. Die AOK Baden-Württemberg wollte es flächendeckend einsetzen, denn es funktionierte prächtig. „Und dann war Ende“, erinnert sich Professor Wolfgang Ertel, der Leiter des Instituts. „Kurz bevor es so weit war, hat die AOK sich dagegen entschieden. Auf Nachfrage sagten sie, sie wollten ihr Verhältnis mit der Ärztekammer nicht belasten.“ Erschwerend kam hinzu, dass es damals noch gar keine Abrechnungskategorie für Computerdiagnose gab. Das hat sich inzwischen geändert, und in anderen Bereichen wird ähnliche Technik genutzt: Heute analysieren Computer MRT-Bilder auf der Suche nach Krebstumoren. Doch die Auswertung von Symptomen wollten die Ärzte sich nicht aus der Hand nehmen lassen von einer hochspezialisierten Künstlichen Intelligenz.

          Aber sie sind nicht die einzigen, die davon profitieren, dass immer noch Menschen die Diagnosen machen. „Die Pharmaindustrie als mächtigster Player im Gesundheitswesen hat, um es vorsichtig zu formulieren, wenig Interesse an besseren Diagnosen. Je besser die Diagnosen, desto gezielter und effektiver die Behandlung, mit dem Resultat, dass man weniger verschiedene Medikamente ausprobieren muss“, sagt Ertel. „Bessere Diagnose ist für den Patienten besser und für die Kasse billiger, aber der Umsatz der Pharmaindustrie bricht ein. Wir hatten versucht, Pharmaunternehmen als Partner zu gewinnen, aber – wie zu befürchten war – leider erfolglos. Ich bin entsetzt, dass Lexmed nach zwanzig Jahren immer noch nicht im Einsatz ist.“ Der Diplom-Physiker forscht seit 1987 zu Künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und autonomen Robotern und hat etliche Projekte begleitet, deren Entwicklungen uns das Leben eines Tages angenehmer machen könnten. Zum Beispiel kleine Roboter, die in komplexen Trial-and-Error-Prozessen selbst das Krabbeln erlernen. Das dauert je nach Anzahl der Beine bis zu zehn Minuten – da kann man sich als Mensch, selbst als Arzt schon mal unterlegen fühlen.

          Dabei müssen Ärzte sich nicht vor KI fürchten: So vielfältig man Algorithmen und Roboter in der Medizin einsetzen könnte, so wenig können sie den Menschen ersetzen. Ein Roboter kann weder eine Brust abtasten noch eine Wunde vernähen, denn so weit ist die Feinmotorik noch lange nicht. Wer sich heute Videos von Greifrobotern ansieht, die etwa verschiedene Objekte aufheben und in eine Kiste stellen, verabschiedet sich schnell vom Traum, ab 2020 die Spülmaschine nicht mehr selbst einräumen zu müssen. Zumal in eine Spülmaschine meist Gläser gehören, die zu erkennen eine besondere Herausforderung darstellt. Deshalb können Roboter den Menschen auch körperlich schwere Arbeiten wie das Umbetten Pflegebedürftiger bisher nicht abnehmen, womöglich werden sie es niemals können: Genug Kraft hätten sie, aber es mangelt ihnen an Fingerspitzengefühl.

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