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Zerstörung Nimruds : Es sind auch unsere Wurzeln

  • -Aktualisiert am

Eine hoheitliche Aufgabe souveräner Staaten

Die akute Bedrohung des irakischen Kulturerbes hat aber vor allem deswegen mit uns zu tun, weil wir gerade in Deutschland über die Kompetenzen und Mittel verfügen, diese Bedrohung langfristig zu reduzieren und materielle Hinterlassenschaften der altorientalischen Gesellschaften auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Da diese Kompetenzen nicht zuletzt an archäologischen Kulturgütern ausgebildet wurde, die in Forschungsmuseen wie dem Vorderasiatischen Museum in Berlin aufbewahrt werden, ist es nicht nur moralische Pflicht, sondern geradezu eine Selbstverständlichkeit, dass wir das so erworbene Wissen nun auch zum Schutz des irakischen Kulturerbes anwenden.

Ziel entsprechender Programme muss es sein, im Irak und gemeinsam mit irakischen Institutionen die politischen, gesellschaftlichen, infrastrukturellen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass das archäologische Kulturerbe von diesen Institutionen langfristig erhalten, wissenschaftlich erschlossen und museal präsentiert werden kann. Denn der Schutz kultureller Güter ist eine hoheitliche Aufgabe souveräner Staaten, die von diesen nur selbstbestimmt und im Rahmen ihrer politischen Prioritätensetzung und wirtschaftlichen Möglichkeiten erfolgen kann. Da bilaterale Expertengespräche die Grundlage für die Umsetzung entsprechender Maßnahmen sind, hat das Vorderasiatische Museum gemeinsam mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern ein Konzept für einen solchen irakisch-deutschen Fachdialog entwickelt, der noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen soll.

Gegen den illegalen Kulturguthandel

Aber auch hier in Deutschland können wir aktiv zum Schutz irakischen Kulturerbes beitragen. Je unattraktiver Deutschland als Marktstaat für illegal ausgeführte und gehandelte Kulturgüter wird, desto geringer wird der Anreiz sein, Museen und archäologische Stätten zu plündern. Ein entscheidender Schritt in diese Richtung wird die von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters, angekündigte Novellierung des deutschen Kulturgutschutzgesetzes mit strengeren Einfuhrkontrollen, effizienten Rückgabemechanismen und strikten Sorgfaltspflichten für alle am Handel Beteiligten sein. Die Mechanismen dieses illegalen Kulturguthandels aufzudecken und Maßnahmen zu dessen Bekämpfung zu entwickeln, ist Gegenstand eines transdisziplinären Forschungsprojekts, das seit wenigen Tagen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 1,2 Millionen Euro gefördert wird und am Vorderasiatischen Museum angesiedelt ist. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt dabei auf antiken Kulturgütern aus dem östlichen Mittelmeerraum, insbesondere aus Syrien und dem Irak.

Deutschlands Beitrag zum Kulturgutschutz im Irak sowie in anderen Ländern des Nahen Ostens wäre aber unmöglich ohne Fächer wie Vorderasiatische Archäologie, Altorientalische Philologie, Ägyptologie, Klassische Philologie oder Klassische Archäologie. Umso wichtiger ist es, dass der Erhalt dieser Kompetenzen auch weiterhin als gesamtgesellschaftlich relevante Aufgabe verstanden und betrieben wird. Denn im Schutz bedrohter Kulturgüter erbringen diese Disziplinen nicht nur eine bedeutende gesellschaftliche Transferleistung, sie schaffen auch die Voraussetzungen dafür, dass alle zukünftigen Generationen irakischer Kinder mit dem einzigartigen kulturellen Erbe ihres Landes aufwachsen können.

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