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Edo Reents (edo.)

Giffeys „Fünf B“-Programm : Die Perlinerin

  • -Aktualisiert am

Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin, und Raed Saleh (beide SPD), SPD-Fraktionschef in Berlin, setzen mit einer Ruderfähre über den Müggelsee. Bild: dpa

Berlin mit B – da muss selbst Franziska Giffey nicht abschreiben. Allerdings arbeitet ihr „Fünf B“-Programmslogan für die Hauptstadt doch mit einigen Tricks.

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          Deutsche Hauptstadt mit B: Das weiß ja wohl jeder. Pfiffig daher von der, Achtung: schon wieder ein B!, Bundesfamilienministerin, dass sie, um Regierende Bürgermeisterin zu werden, mit einem Programm namens „Fünf B“ antritt. Klar: Berlin, da wäre es doch gelacht, wenn sich kein Brogramm mit lauter Bs aufstellen ließe, wobei man „Programm“ wohl doch eher mit P schreibt. Aber bei Franziska Giffey kommt es vielleicht nicht so drauf an.

          Ihrer Universität kann sie keine Schande mehr machen, nachdem sie ihren Doktortitel abgelegt hat wie eine schlechte Angewohnheit – ein von manchen als zu eigenmächtig eingestufter, wie sagt man hier: Verwaltungsakt, noch dazu fadenscheinig begründet: „Wer ich bin und was ich kann, ist nicht abhängig von diesem Titel. Was mich als Mensch ausmacht, liegt nicht in diesem akademischen Grad begründet.“ Das hat auch nie jemand behauptet; die Frage war nur: Hat sie geschummelt oder nicht? Und was ihr Menschsein betrifft, so ist ja wenigstens nicht auszuschließen, dass zu dieser wunderbaren Qualität auch ein Hang zum Betrügen gehört, womit sie auch gar nicht allein stünde.

          Zum Schüren antiakademischer Ressentiments reicht so eine Nullaussage allemal. Wer Franziska Giffey ist, wissen wir jedenfalls. Und was kann sie? Sie kennt zumindest fünf Wörter, die alle mit B anfangen, wobei man dahinter zwei, strenggenommen sogar drei Fragezeichen machen muss; denn diese lauten: „Bauen, Bildung, Beste Wirtschaft, Bürgernähe und Berlin in Sicherheit“. Man hatte eigentlich gedacht, dass sich so etwas wie das alberne „Gute-Kita-Gesetz“, bei dem Giffey schon federführend war, nicht wiederholen würde, aber bitte, wenn sie unbedingt will. Obwohl: Eine Bürgermeisterin, die extra betonen muss, dass sie das Beste will: ob die Perlinerinnen und Perliner da mitmachen?

          Und nur mal angenommen, wir wären es, die hier schiefgewickelt sind, und man schriebe „Wirtschaft“ tatsächlich mit B – dass die dann ausgerechnet in der Hauptstadt die beste sein sollte, ist kaum realistisch. Aber reiten wir nicht weiter drauf rum, kommen wir zum zweiten Lapsus: „Berlin in Sicherheit“. Orthographisch ist das so weit richtig, nur dass „Berlin“ als Stichwort des Programms eine Tautologie ist, da es in Berlin immer um Berlin geht, das ist ja das Problem. Bliebe als Programm-Stichwort noch „Sicherheit“, wobei das „in“ bei den Wählern Panik auslösen könnte: Muss Berlin sich denn schleunigst in Sicherheit bringen wie Menschen sich aus einem brennenden Haus? Womöglich wäre „Berlin – mit Sicherheit“ passender gewesen oder „Berlin? Aber immer!“, das B bliebe dann ja erhalten, wenn es auch, wie gesagt, nicht allzu viel aussagen würde. Insgesamt ist also noch Luft nach oben; ein „Magna cum laude“ würde hier wohl nur Franziska Giffeys Doktormutter aussprechen, den Berlinern selbst dürfte das alles wenig „dufte“ oder „knorke“ vorkommen. Aber, immerhin: Um ein Plagiat handelt es sich bei den „Fünf B“, so weit wir sehen, nicht.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

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