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Was ist deutsch, Herr Brandt? : Ich mag diese wahnsinnig langen Wörter

Bild: FAZ

Über Momente der Ablehnung im Ausland und eine große Anhänglichkeit, eine norwegische Erfindung und einen englischen Witz: ein Gespräch mit dem Schauspieler und Kanzlersohn Matthias Brandt.

          2 Min.

          Gibt es das, Momente, an denen Sie sich besonders deutsch gefühlt haben?

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Ja natürlich, im Positiven wie im Negativen. Ich bin groß geworden zu einer Zeit, zu der man als Jugendlicher, etwa wenn man nach Holland fuhr, Ablehnung durchaus noch erleben konnte, auch als junger Mensch, der sichtbar nichts mehr mit der Zeit des Nationalsozialismus zu tun hatte. Ich war aber auch mal am Schauspielhaus Zürich engagiert, und auch in der Schweiz kann man als Deutscher Diskriminierungserfahrung machen. Das war zwar mitunter in ein­zelnen Momenten unangenehm, ich fand das als Erfahrung aber lehrreich. Weil das für Menschen wie Sie oder mich nicht so häufig vorkommt, Diskriminierungserfahrungen zu machen. Da habe ich mich deutsch gefühlt, weil ich zugeordnet wurde, ohne dass ich selbst Anteil daran hatte. Deutsch fühle ich mich grundsätzlich im­mer in der Sprache. Ich habe eine große Anhänglichkeit an diese Sprache, und sie ist mein Arbeitsmaterial. Ich mag diese wahnsinnig lang aneinandergereihten Wör­ter, die man da produzieren kann. Ich verstehe die Wörter, die gesagt werden, und auch die, die nicht gesagt werden, die aber mindestens so wichtig sind. Was nicht gesagt wird, hört man ja trotzdem. Die hochgezogene Augenbraue, da weiß ich, was gemeint ist. Das alles ist Bestandteil von Sprache. Und da fühle ich mich zu Hause, in all dem.

          Haben Sie einen Lieblingsdialekt?

          Das Besondere an Dialekten ist, dass man sie nachträglich nicht erlernen kann, auch als Schauspieler nicht. Man kann sie sich allenfalls durch Imitation aneignen. Ich bin im Rheinland aufgewachsen, und im Moment arbeite ich für längere Zeit in Köln. Das ist gerade sehr lustig, denn wenn ich nach Hause komme nach Berlin, dann beschwert sich meine Frau, dass ich so singen würde. Ich finde den rheinischen Dialekt wirklich sehr lustig, ich hö­re das gern, auch mentalitätsmäßig ge­fällt mir das. Und, das merkt man erst, wenn man lange weg war, da gibt es diese komische Mischung aus großer Klappe und Unterwürfigkeit, wenn es mal Ge­genwind gibt.

          Welches deutsche Essen verachten, welches lieben Sie?

          Was ich nicht mag, ist Sülze – wie überhaupt alle solche Sachen, beispielsweise Aal in Gelee. Ich habe mich immer gefragt, woher das kommt, diese Hingezogenheit zu Gelee. Das ist mir fremd. Eklig fand ich auch immer schon alles, was mit Innereien zu tun hat. Was ich sehr gern mag, sind Rouladen, mein Lieblingsessen. Das mö­gen offenbar viele, jedenfalls ergibt das meine bescheidene Feldforschung auf diesem Gebiet. Beim Dreh stelle ich das immer wieder fest, dass sich die Leute, wenn sie sich etwas zu essen wünschen dürfen, ganz oft nach Rouladen fragen. Oder nach Königsberger Klopsen.

          Was ist die beste deutsche Erfindung?

          Da gibt es so vieles. Ich wollte jetzt eigentlich sagen, die Büroklammer. Sie gehört allerdings zu den wenigen norwegischen Erfindungen, die es zu Weltruhm gebracht haben. Aber danach haben Sie nicht gefragt. Das Fahrrad, würde ich dann wohl sagen. Das Fahrrad ist eine unglaubliche Erfindung, in seiner Einfachheit und Effektivität. Darauf würde ich auf keinen Fall verzichten wollen.

          Ihr Lieblingswitz über Deutschland?

          Es gibt in England den Witz: Was ist das dünnste Buch der Welt? Tausend Jahre deutscher Humor.

          Die Fragen stellte Sandra Kegel.

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