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Zentrum für politische Schönheit : Show und Schock

Die Säule des Zentrums für politische Schönheit gegen den „Verrat an der Demokratie“. Sie steht aktuell in Berlin Mitte. Wie lange noch, ist aber auch egal. Bild: Imago

Das Zentrum für politische Schönheit ist das größte, am meisten gehasste und geliebte Polit-Kunst-Aktivismus-Kollektiv in Deutschland. Seine letzte Aktion war ein Skandal. Was ist eigentlich das Problem der Pseudo-Aktivismus-Künstler?

          5 Min.

          Sorry, ihr Schoa-Opfer und Schoa-Opfer-Enkel, das war nicht so gemeint! Das ungefähr steht in der sogenannten Stellungnahme des Zentrums für politische Schönheit – es ist das größte, am meisten gehasste und geliebte Polit-Kunst-Aktivismus-Kollektiv in Deutschland. Die Stellungnahme ist die Reaktion auf Reaktionen, nachdem das Zentrum die angebliche Asche von Schoa-Opfern in Harz und eine Säule fassen ließ. Sie sollte – aufgestellt in Berlin-Mitte – daran erinnern, dass Konservatismus und Rechtsradikalismus eine Vergangenheit in Deutschland hatten. Sie sollte mahnen, dass in der Gegenwart die Mitte – und explizit die CDU – nichts mit der AfD zu tun haben dürfe. Was wirklich nicht so falsch ist. Doch war die Sache mit der Asche falsch, weil sie die Getöteten missbrauchte, weil sie gegen das jüdische Religionsgesetz der Totenruhe verstieß. Juden und Nichtjuden in Deutschland und der Welt hatten das öffentlich erklärt, was dann zu der Entschuldigung geführt hat.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das Zentrum übergab die Asche der orthodoxen Rabbinerkonferenz. So hätte die Geschichte enden können, weil es ja allen leid tut, weil alles jetzt ganz anders ist: Die angebliche Asche weg. Die alte Säule neu und umgewandelt; sie richtet sich jetzt gegen den „Verrat an der Demokratie“ im Allgemeinen. Es gibt zwar noch einen kleinen Berlin-Behörden-Zentrums-Streit, ob diese Säule stehen bleiben darf. Sie bleibt erst mal nach aktuellem Stand. Wie lange noch, ist aber auch egal. Denn wichtig ist ja die Entschuldigung. Und die Tatsache, dass sie keine ist. Das sah man auf der Website dieses Zentrums. Unter dem Titel „Die neue Gedenkstätte“ leuchtete neben der Sorry-Stellungnahme tagelang ein Text, in dem ein Wort auftauchte, das jede Entschuldigung erschlug, besonders eine bei Schoa-Opfern und bei Schoa-Opfer-Enkeln. Es stand versteckt in einem Satz: „Vergangene Nacht hat unser Sonderbetonkommando (SBK) im Regierungsviertel ein 4 Tonnen schweres Stahlbeton-Fundament unter den Augen der Polizei gegossen.“ Natürlich ist das Wort, um das es geht, „Sonderbetonkommando“. Denn jeder, der etwas weiß vom Holocaust, weiß, dass es Nazis waren, die Juden in KZs in Sonderkommandos eingeteilt und sie gezwungen hatten, Menschen in Gaskammern zu führen und ihre Leichen zu verbrennen.

          Es gibt kein Nachdenken, nur Emotionen

          Wollte das Zentrum sich in eine Opferrolle setzen, in dem es dieses Wort benutzte? Benutzte es das Wort bewusst? Was, bitte, soll das alles? Das musste man dann denken und sich anschließend alle anderen Aktionen der Polit-Pseudo-Künstler ansehen, um zu verstehen, was das Problem an ihrer Polit-Pseudo-Kunst in Wahrheit ist.

          Das, was man immer sieht, ist echtes, absolutes Besessensein von Opfern, von Toten, von Menschen in Gefahr, in Kriegen. Ein Best-of aus zehn Jahren Zentrums-Kunst geht so: 2014 waren es mal Kriegskinder, und die Performance hieß „Kindertransporthilfe des Bundes“. Es ging darum, dass die Bundesfamilienministerin angeblich nach deutschen Pflegefamilien suchte, um Kinder aus Syrien zu holen. Und das war selbstverständlich ein Bezug auf die Transporte von 1938/1939, die damals 10.000 jüdische Kinder vor den Nazis retteten. 2015 ging es um tote, um erwachsene Flüchtlinge, „Die Toten kommen“ hieß die Inszenierung. Das Zentrum hatte angeblich die Leichen von im Mittelmeer Ertrunkenen nach Deutschland überführt und sie beerdigt. 2016 wieder Flüchtlinge: Ihr Leid führte das Zentrum unter dem Titel „Flüchtlinge fressen. Not und Spiele“ auf. Es drohte, Syrer in Berlin-Mitte an Tiger zu verfüttern. 2017 waren es dann Deutsche, zwei Ermordete: die Scholl-Geschwister. Der Name des Projekts war „Scholl 2017“. Es ging um einen Schülerwettbewerb, angeblich ausgeschrieben von der Regierung Bayerns, um der zwei Mutigen und Toten zu gedenken. Die Schüler konnten angeblich auch noch was gewinnen: einen Ausflug in ihre Lieblingsdiktatur oder eine „Kulturreise nach Auschwitz“.

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