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Was Europa fehlt : Das Ende der sanft lächelnden Technokraten

Europäischer Glamour beim „March for Europe“ am Brandenburger Tor in Berlin Bild: dpa

„Mehr Europa“ ist jahrelang der Konsens des Kontinents gewesen. Seit aber der Universalitätsanspruch des westlichen Liberalismus für viele Europäer diskreditiert ist, taumelt die Union. Dabei gibt es einen Weg aus der Krise.

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          Ein wenig Selbsterkenntnis vor dem Gang an die Urnen kann nicht schaden. Morgen findet die Wahl zum Europaparlament statt, und da mag es verwundern, dass die meisten der vierhundert Millionen Wahlberechtigten des Kontinents nicht einmal den Unterschied zwischen dem Europäischen Rat und dem Rat der Europäischen Union kennen. Ebenso wenig wissen sie, wann das Europaparlament in Straßburg tagt, wann in Brüssel. Warum überhaupt an zwei Orten? Würde man die Plenarsitzungen aus Straßburg abziehen und nach Brüssel verlegen, ließen sich laut einer EU-Studie mehr als hundert Millionen Euro im Jahr einsparen. Doch um das zu bewirken, müssten sich alle EU-Länder einstimmig dafür aussprechen, in ein Vertragswerk aus dem Jahr 1997 einzugreifen, und das will sich nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit niemand antun.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Nebenbei: Wie und aus welchen Personen sich die Europäische Kommission zusammensetzt, ist auch nicht allen bekannt. Und was sie so macht. Oder dass der Kommissionspräsident sieben Vizepräsidenten hat. Und dass in der gesamten EU in diesen Tagen mehr als dreihundert politische Parteien zur Wahl stehen. Das sind natürlich zu viele, um sie zu überschauen. Selbst unter gebildeten Menschen wird man nur wenige treffen, die mehr als drei Abkürzungen für die europäischen Parteienbündnisse entschlüsseln können.

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