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Ersatznazihochburg Anklam : „Wenn mir etwas passiert, weiß jeder, wer es war“

  • -Aktualisiert am

In Anklam wählten 10,6 Prozent der Bürger in den Kreiswahlen die NPD. Bild: dpa

Hinterland, Naziland: Bei der Kreiswahl im Mai wählten in Anklam fast elf Prozent der Bürger die NPD. Über eine ungewöhnliche Entdeckung an einem Ort zum Weglaufen – direkt neben der Parteizentrale der Rechtsextremisten.

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          Es war nicht so, dass ich nach Anklam wollte. Wer will das schon. Hinterland, Naziland, Amthor-Land. Anklam ist ein Ort zum Weglaufen, keiner zum Ankommen.

          Als plötzlich Anklam auf dem Straßenschild stand, muss die vage Vertrautheit des Stadtnamens etwas getriggert haben, eine Neugier, die mich ohne nachzudenken abfahren ließ. Ein Schild warnte vor Otterwechseln an der flickig geteerten Allee, auf der so einige Führerscheinneulinge todsicher in die Bäume eingeschlagen waren. Dann war ich da.

          Anklam ist, wie der Name schon sagt, Anklam. Friseure und Pflegedienste und das Bekleidungsgeschäft „Gina Laura“. Es wäre unfair und arrogant zu schreiben, dass sich das Bekleidungsgeschäft „Gina Laura“ von den Namen seiner Kundinnen inspirieren ließ. Mit den Wadentattoos und den blond gesträhnten Haaren, dem Dagebliebenenlook, sahen viele Frauen aber zufällig aus wie Gina oder Laura. Als ich in einem Café aufs Klo ging, bat ein laminierter Zettel, die Dekoration nicht mitzunehmen. Die Deko waren ein Kaktus, eine Plastikkoralle und ein Grablicht.

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