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Putins Rhetorik : Die moralische Pflicht, das Heldentum zu bewahren

  • -Aktualisiert am

Klingt wie versteckte Warnungen: Putins Rhetorik Bild: AFP

Putins Trotz und Stalins Notwehr: Was der Kremlherrscher mit seinen Nadelstichen gegen Polen und einem national gedemütigten Deutschland über sich verrät.

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          Die deutsche Osteuropahistorikerzunft hat von der russischen Botschaft eine ungewöhnliche Mail erhalten. Sie verweist auf einen Grundsatzartikel, in dem Russlands Präsident seine Sicht auf den Zweiten Weltkrieg darlegt. Wladimir Putin analysiere anhand neuer Archivdokumente die Ursachen des Krieges, so die Ankündigung. Er befasse sich mit der Nachkriegsordnung und mache Vorschläge für eine zukünftige Kooperation unter den Großmächten. Das Ganze liest sich wie jene große Rede, die Putin womöglich gerne am 9. Mai dieses Jahres vor Russland und der Welt gehalten hätte. Nun steht sie auf der Website des Kremls. Damit sie ihr Publikum findet, verbreitet die Pressestelle der Botschaft die Ansichten ihres obersten Dienstherrn in ungewöhnlich forderndem Ton. Ungewöhnlich ist auch die Annahme, internationale Fachhistoriker könnten für dieses Ziel dienstbar gemacht werden. Wissenschaftlich sind Putins Ansichten abwegig. Politisch hingegen lassen sie tief blicken.

          Die Ursachen des Zweiten Weltkriegs sind in der Fachwelt wenig kontrovers. Niemand stellt ernsthaft in Frage, dass das nationalsozialistische Deutschland den Krieg zielstrebig vorbereitete und vor allem im Osten Europas als Vernichtungskrieg führte. Auch die Einsicht, dass sich Frankreich und England der deutschen Aggression spät, vielleicht zu spät entschieden entgegenstellten, ist kaum strittig. Wenn Putin nun Verständnis dafür zeigt, dass ein national gedemütigtes Deutschland nach alter Stärke strebte, dann knüpft er an eine alte Debatte an, die den Wesenskern des Nationalsozialismus verkennt, sich aus seiner Feder aber wie eine versteckte Warnung liest.

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