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Europäische Kommission zu KI : Ohne Ethik kann es kein Vertrauen geben

  • -Aktualisiert am

Wer ist verantwortlich, wenn ein Fehler passiert?

Das erste Kapitel des Entwurfs beschreibt die Grundrechte, Prinzipien und Werte, die KI respektieren sollte. Entwickler und Benutzer werden aufgefordert, vor allem auf Situationen zu achten, in denen besonders gefährdete Gruppen wie Kinder, Menschen mit Behinderungen oder Minderheiten betroffen oder Macht- oder Informationsasymmetrien gegeben sind. Das zweite Kapitel listet die Anforderungen an eine vertrauenswürdige KI auf und bietet einen Überblick über technische und nichttechnische Methoden, die für die praktische Umsetzung verwendet werden können, etwa die Berücksichtigung ethischer Prinzipien bei der Programmierung („ethics-by-design“), die Regulierung oder die Standardisierung.

Im dritten Kapitel werden diese Anforderungen anschließend praktisch umsetzbar gemacht, indem konkrete, aber nicht erschöpfende Prüfungskriterien für vertrauenswürdige KI vorgeschlagen werden. Hierzu werden mehr als 60 Fragen gestellt, zum Beispiel: Ist eine Prüfung des KI-Systems vorgesehen? Wer ist verantwortlich, wenn ein Fehler passiert? Können Dritte und Mitarbeiter potentielle Schwachstellen, Risiken oder Voreingenommenheit des Systems melden? Lässt sich messen, wie inklusiv Daten sind? Diese Punkte unterstreichen, wie wichtig es ist, Ethik praktisch durch Technologie umzusetzen, statt lediglich die Absicht zu erklären, sich an abstrakte Prinzipien zu halten.

Unser Ziel ist, die Leitlinien jedem zur Verfügung zu stellen, der sich freiwillig zu einer vertrauenswürdigen KI bekennt. Sie ersetzen keine Regulierung. Dies ist ein wichtiger Punkt, da viele Elemente schon durch bestehende Regelungen erfasst werden, wie etwa die Datenschutz-Grundverordnung, die jeder unabhängig von den Leitlinien einhalten muss. Darüber hinaus sollen die Leitlinien keine neuen Regelungen vorwegnehmen.

Nicht das Ende des Prozesses

Wir arbeiten unter Zeitdruck, denn wir wollen die Leitlinien in Kürze fertigstellen, damit sie für die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten von Nutzen sind und als Grundlage für internationale Diskussionen dienen können. Wie im Falle der technologischen Entwicklung ist Geschwindigkeit auch hier von entscheidender Bedeutung. Gegenwärtig gibt es zahlreiche Prozesse auf nationaler und auf internationaler Ebene, die nach einem gemeinsamen europäischen Ansatz rufen. Darüber hinaus beauftragen viele Unternehmen, die KI entwickeln, externe Berater, um sicherzustellen, dass ihre KI ethisch, robust und damit vertrauenswürdig ist. Daraus resultiert die Notwendigkeit, die Geschwindigkeit, mit der wir vorgehen, und das Ziel einer umfassenden Beteiligung auszugleichen.

Die Frist, innerhalb derer Stellungnahmen zum Entwurf der Richtlinien eingehen können, ist bis zum 1. Februar verlängert worden. Beiträge sind in allen EU-Sprachen möglich. Auch nach Ablauf der Frist werden wir uns bemühen, Beiträge, die über das Portal der European Artificial Intelligence Alliance  eingereicht werden, für die Endfassung der Leitlinien zu berücksichtigen. Im März werden wir die Endfassung der Kommission überreichen und sie Anfang April auf einer öffentlichen Veranstaltung vorstellen.

Dies ist nicht das Ende des Prozesses. Die Leitlinien sollten als lebendes Dokument verstanden werden, das sich parallel zur Technologie und unserem Wissen weiterentwickelt. Wir sollten ständig überwachen, dass das geltende Recht, vor allem unsere Grundrechte sowie unsere Prinzipien und Werte respektiert werden und die eingesetzte Technologie robust und zuverlässig ist. Und wir sollten fortlaufend debattieren, uns austauschen, die Technologie in Frage stellen – und uns selbst. Denn das ist unerlässlich, um unser Ziel zu erreichen: eine Kultur innovativer und vertrauenswürdiger KI zu schaffen, die auf dem neusten Stand ist und in Europa gemacht wurde.

Die EU und die Künstliche Intelligenz

Die EU-Kommission hat eine Expertengruppe zum Umgang mit KI eingerichtet. Deren Arbeit hat an dieser Stelle der Autor Ranga Yogeshwar kritisiert, unter anderem mit dem Argument, dass die Experten dem wirtschaftlichen Wettbewerb huldigten, von ethischen Leitlinien könne keine Rede sein. Der Vorsitzende des Beratungsgremiums antwortet.

Pekka Ala-Pietilä ist Vorsitzender der von der Europäischen Kommission eingesetzten Expertengruppe für Künstliche Intelligenz.

Richtlinienentwurf zur Ethik: https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/draft-ethics-guidelines-trustworthy-ai; Konsultation: https://ec.europa.eu/futurium/en/ai-alliance-stakeholders-consultation/stakeholders-consultation-draft-ai-ethics-guidelines; europäische KI Allianz: https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/european-ai-alliance

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