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Europäische Kommission zu KI : Ohne Ethik kann es kein Vertrauen geben

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Grundsätzlich lassen sich drei Märkte unterscheiden: der Endverbrauchermarkt, der Geschäftskundenmarkt und Dienste der öffentlichen Verwaltung. Während die Vereinigten Staaten und China den ersten Markt dominieren, kann Europa vor allem auf dem zweiten und dritten Markt etwas bewirken. Jeder dieser Märkte ist anders beschaffen, sowohl was die Offenheit gegenüber KI als auch den Schutz vor ethischen Risiken betrifft. Während einige Leitlinien alle Märkte betreffend formuliert werden können, ist für andere Aspekte ein differenzierter Ansatz erforderlich. Ethik und Wettbewerbsfähigkeit gehen Hand in Hand. Ohne Vertrauen kann man kein Unternehmen nachhaltig führen, und ohne Ethik kann es kein Vertrauen geben. Und wenn es kein Vertrauen gibt, wird eine neue Technologie nicht akzeptiert. Für Europa sollte es daher nicht allein darum gehen, wettbewerbsfähig zu sein. Vielmehr sollte unser Ziel sein, durch den verantwortungsvollen Umgang mit KI Vertrauen zu schaffen.

52 Experten aus 28 Staaten

Die von der EU-Kommission eingesetzte Beratungsgruppe versammelt 52 Experten aus den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, aus Wissenschaft, Industrie und Zivilgesellschaft, darunter 44 Prozent Frauen. Unter den 23 Vertretern der Industrie sind auch Vertreter zweier amerikanischer und eines kanadischen Unternehmens. Sie gewähren uns Einblick in die Entwicklung in anderen Teilen der Welt, was uns hilft, unsere eigene Position klarer zu definieren und die globale Situation im Blick zu behalten.

Dass die Mitglieder so unterschiedliche Erfahrungen mitbringen, führt zu intensiven Auseinandersetzungen. Gleichzeitig erlaubt es uns, die ganze Bandbreite relevanter Fragen zu erfassen. Dabei hat sich unsere Diskussion nicht auf die Expertengruppe beschränkt. Gemeinsam mit ihr hat die Kommission die European Artificial Intelligence Alliance lanciert, eine Online-Plattform, auf der sich alle an KI Interessierten austauschen können. Heute zählt die Allianz fast 2500 Mitglieder, die wir in unsere Arbeit einbinden. Die Allianz beeinflusst aber nicht nur uns, sondern formt die KI-Politik in ganz Europa mit.

Der erste Entwurf der Leitlinien, den wir am 18. Dezember 2018 vorgelegt haben, basiert auf dem Konzept der vertrauenswürdigen KI und soll Orientierung für diejenigen bieten, die KI entwickeln oder einsetzen. Vertrauenswürdige KI setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Erstens sollte sie die Grundrechte, die geltenden Vorschriften sowie Prinzipien und Werte achten und einen ethischen Zweck gewährleisten. Zweitens sollte ihre Umsetzung technisch robust und zuverlässig sein, da jede Technologie unbeabsichtigt Schaden verursachen kann, wenn sie falsch eingesetzt wird.

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