https://www.faz.net/-gqz-9pcf8

Ungarns Integrationswille : Mehr Platz für Fremdheit!

  • -Aktualisiert am

Fühlt sich als Ungarin – und als Ungarndeutsche: Katalin Gajdos-Frank vor dem Heimatmuseum in Budaörs Bild: Jakob Bleyer/ Heimatmuseum

Ungarn hat zur Zeit im Westen einen schlechten Ruf. Dabei ist es ein Land, in dem Fremdes durchaus Raum bekommt. Was der Umgang mit der ungarndeutschen Minderheit verrät.

          6 Min.

          Einhundertzehn ungarndeutsche Heimatmuseen gibt es in Ungarn. Eines davon ragt heraus, auch deshalb, weil es landesweit zum Museum des Jahres 2018 („Az Év Tájháza“) gekürt worden ist. Es liegt vor den Toren der Hauptstadt Budapest, im ehemaligen Schwabendorf Wudersch, das sich als Budaörs in den letzten drei Jahrzehnten zu einer Art Kronberg von Ungarn entwickelt hat. Die Stadt ist eine der reichsten des Landes und ein bevorzugter Zufluchtsort für all jene aus der Metropole, die den ungebremst wuchernden Metastasen des Autoverkehrs entfliehen wollen und sich das auch leisten können.

          Dabei hilft, dass der Ort mit seinen dreißigtausend Einwohnern, trotz des offiziellen Titels „Stadt“ und trotz der florierenden Einkaufszentren und Firmenansiedlungen an der nahen Autobahn M 1, im Kern ein beschauliches Dorf geblieben ist. Ein Dorf freilich mit einer bemerkenswerten deutschen Vergangenheit und einer deutsch-ungarischen Gegenwart. Man spürt es unmittelbar, wenn man den alten, für Begräbnisse schon lange geschlossenen Friedhof an der Nefelejcs utca betritt, zu Deutsch: Vergissmeinnichtstraße. Am Eingangstor hängt dort seit 2006, angebracht in Anwesenheit hochrangiger Politiker aus der Bundesrepublik, eine massive Tafel mit in Stein gemeißelter Inschrift: „Landesgedenkstätte der Vertreibung der Ungarndeutschen 1946–1948“.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Krankhaftes Sexualverhalten : Wenn die Lust zur Qual wird

          Ähnlich wie Drogen- und Spielsüchtige sind auch Sexbesessene darauf aus, sich stets neue „Kicks“ zu verschaffen. Vielen Patienten könne eine Verhaltenstherapie helfen, sagen Forscher. Jedoch hilft nicht jeder Lösungsansatz.