https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/was-das-framing-manual-der-ard-von-elisabeth-wehling-soll-16047741.html

Framing-Manual der ARD : Es ist Irrsinn, aber es hat System

Mit dem geeigneten Rahmen sieht alles gut aus – das gilt auch für Framing in der Sprache. Bild: dpa

Wer keinen Rundfunkbeitrag zahlt, ist „demokratiefern“, „wortbrüchig oder auch illoyal“ und missachtet den „allgemeinen Willen des Volkes“: Warum die ARD jetzt semantische Gehirnwäsche übt.

          3 Min.

          Wir fassen uns jetzt alle an den Händen und sagen: „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“. Nochmal, bitte mit etwas mehr Emphase: „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“. Schon besser. Geht doch! Aber aller guten Dinge sind drei, und wir sind die Guten, also alle im Chor: „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“. Klingt das nicht gut, fühlen wir uns jetzt nicht besser? Tief durchatmen, das Mantra murmeln und los gehts in die Diskussion mit bösen Rundfunkkritikern, die die Welt ins Unheil stürzen und uns „unseren gemeinsamen, freien Rundfunk ARD“ nehmen wollen. Wir wissen es nicht nur besser als die, wir sind besser. Deshalb informieren wir jetzt auch nicht mehr, wir setzen nicht auf Argumente, denn „objektives, faktenbegründetes und rationales Denken gibt es nicht, zumindest nicht in der Form, in der es der Aufklärungsgedanke suggeriert“. Wir reden nur noch moralisch. Wir sind die Moral.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So vorzugehen empfiehlt ein „Framing Manual“ der Linguistin Elisabeth Wehling, das schon 2017 entstand, aber erst jetzt publik wurde (nachzulesen bei netzpolitik.org), den „Mitarbeitenden“ der ARD. Es hämmert ihnen auf 89 Seiten ein, was sie tun sollen, um „Ihre Mitbürger“ dazu zu bringen „den Mehrwert der ARD zu begreifen und sich hinter die Idee eines gemeinsamen, freien Rundfunks ARD zu stellen“. Sie sollen „Frames“ setzen, also durch Sprache Deutungsmuster vorgeben und die Welt so beschreiben, wie sie – angeblich – ist. Und dabei die „Frames“ der anderen zerstören. Im Fall der ARD heißt das, dass man die Begriffe der anderen nicht aufgreifen, sondern ihnen eine eigene Sprachwelt entgegensetzen soll. Dafür hat Elisabeth Wehling grundlegende „Frames“ im Angebot: „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“, „Programm“, „Unser gemeinsames Rundfunkkapital“, „Profitwirtschaftliche Sender“ (auch zu ersetzen durch „Profitorientierte/-maximierende Sender“ oder „Medienkapitalistische Heuschrecken“) und schließlich „Eigenfürsorge“.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Dem Sieg ordnet er alles übrige unter: Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch auf dem Weltraumbahnhof Wostotschnyj in Ostsibirien im April 2022.

          Putins Demontage des Staates : Mobilmachung als Regierungsmethode

          Putins Perestroika: Russlands Herrscher hat den russischen Staat planmäßig auf seine autokratische Urgestalt zurückgebaut. Er verschiebt Grenzen und bedroht jeden, der mit ihm nicht einverstanden ist. Ein Gastbeitrag.
          Emmanuel Macron spricht 2020 per Videokonferenz mit Wladimir Putin (links). Zwei Jahre später sagt Putin dem Franzosen, er müsse sich fügen, ob es ihm gefalle oder nicht.

          Russlands Präsident : Wie Putin ausländischen Politikern droht

          Er wollte den georgischen Präsidenten „an den Eiern aufhängen“ und eine „Rakete“ auf die Downing Street abfeuern. Der diplomatische Ton von Wladimir Putin ist rau.

          Mutmaßliche Spionageaktion : China protestiert gegen Abschuss seines Ballons

          Peking wirft den Vereinigten Staaten einen Angriff auf ein ziviles Luftschiff vor. Amerika will die Trümmer nachrichtendienstlich untersuchen. Das chinesisch-amerikanische Verhältnis erreicht einen neuen Tiefpunkt.