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Was Bienen besser können : Der Zahlstachel

  • -Aktualisiert am

Die Biene versteht, was „4“ von „5“ unterscheidet, und benimmt sich damit offenbar vernünftiger als viele Menschen. Bild: obs

Ein neues Experiment beweist, dass Bienen Zahlen unterschiedlichen Mengen zuordnen können. Bald werden sie beherrschen, was Wirtschaftslenkern, Politikern und Medienbeschäftigten abhandengekommen ist. Wir dürfen hoffen.

          Dass Honigbienen rechnen können, also mit ihrem Verhalten beweisen, dass sie einfache Operationen der Arithmetik wie das Abziehen und Zusammenzählen beherrschen und sogar verstehen, was „null“ bedeutet, hat ein australisch-französisches Forschungsteam schon vor einiger Zeit ermittelt.

          Ein neues Experiment unter der Leitung der Zoologin Scarlett Howard beweist jetzt, dass man einzelne Bienen dazu erziehen kann, sich zu merken, für welche Mengen von Gegenständen Zahlsymbole stehen. Die Biene versteht also, was „4“ von „5“ unterscheidet und benimmt sich damit offenbar vernünftiger als Menschen, die Sachen sagen und denken wie: „Ich lasse mir doch von einer Zahl nicht vorschreiben, wie alt ich bin“, „Schuldenschnitte müssen auch dann vermieden werden, wenn sie komplette Volkswirtschaften von der Lähmung befreien würden“, oder „sofern wir nur alle nie mehr Schnitzel essen, halten die letzten nichtmenschlichen Tierarten auch dreimal so viele von uns aus, wie es bereits gibt“.

          Fähigkeit zur Abstraktion

          Zahlen scheinen für Menschen etwas wie Stacheln zu sein, denen man ausweichen muss; die Biene hat davor keine Angst. Wie gelehrig das Insekt ist, verblüfft insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Mensch noch im neunzehnten Jahrhundert nicht recht definieren konnte, was Zahlen überhaupt sind. Der brillante deutsche Logiker und Philosoph Gottlob Frege mühte sich seinerzeit das halbe Leben lang mit kniffligen Überlegungen, die von der anstrengenden Doppelwahrheit ausgingen, dass Zahlen weder körperlich vorhandene Dinge sind (es gibt drei Äpfel oder die dritte Mahnung, aber keine Drei zum Anfassen) noch reine Ideen, die nur im Kopf vorkommen (wenn ich von drei Äpfeln einen aufesse, habe ich zwei, egal, was ich mir dabei denke). Frege kam zu dem Schluss, Zahlen seien Eigenschaften von Begriffen, die wiederum Verallgemeinerungen vorhandenen Sachen seien, und ihre korrekte Anwendung erweise sie als zeitabhängig: „Es gibt jetzt fast acht Milliarden Menschen auf der Welt“ gilt erst nicht, dann doch, dann nicht mehr, und der Begriff „Menschen“ fasst dabei sehr unterschiedliche Leute zusammen.

          Wenn man aber den Bienen nach dem Rechnen und dem Zahlenerkennen jetzt auch noch beibringt, was uns im sechzehnten Jahrhundert der Mathematiker François Viète beigebracht hat, nämlich wie man den Zahlbegriff seinerseits verallgemeinert zu Variablen wie „a“ und „b“, die für beliebige Zahlen stehen können, dann beherrschen die Sechsbeiner bald, was menschlichen Wirtschaftslenkern, Politikern und Medienbeschäftigten offensichtlich abhandengekommen ist, nämlich die Fähigkeit zur Abstraktion. Sie sollten uns dann schnell einen rationalen Klimaplan vorsummen.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

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