https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/warum-uns-in-der-corona-krise-koerperliche-naehe-fehlt-16731390.html

Social Distancing : Warum uns körperliche Nähe fehlt

Die Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme. Bild: Thor Balkhed, Universität Linköping

Welche psychosozialen Folgen wird die Distanznahme für jeden Einzelnen und die Gesellschaft haben? Ein Gespräch mit der Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme über die Bedeutung von Nähe – vor allem in Zeiten von Corona.

          6 Min.

          Unter den fünf Sinnen war der Tastsinn lange Zeit der am wenigsten erforschte. Das hat sich gründlich geändert. „Berührung boomt“, behauptete Deutschlandfunk Kultur im vergangenen Jahr sogar angesichts verschiedener Bücher zum Thema. Eines davon, „Human Touch. Warum körperliche Nähe so wichtig ist“ (C.H. Beck), hat die Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme geschrieben. Sie ist Assistenzprofessorin am Zentrum für soziale und affektive Neurowissenschaft im schwedischen Linköping.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ist für das, was wir derzeit alle tun sollen, der Begriff „social distancing“ überhaupt angemessen?

          Es gab ja schon früh die Diskussion, ob man nicht besser von „physical distancing“ sprechen sollte, dass wir also versuchen, uns nicht sozial voneinander zu entfernen, sondern nur räumlich. Aber das führt erst zu der großen Problematik, dass, wenn wir nur durch Videotelefonie, Chatnachrichten und normales Telefonieren miteinander kommunizieren, viel von dem verlorengeht, was soziale Interaktion ausmacht. Es ist eine reduzierte Form der Kommunikation, selbst in der Videotelefonie, wo man durch Gestik und Mimik mehr Möglichkeiten hat, aber es fehlt eben doch die physische Nähe, von Berührung nicht zu reden. Sie trägt ja nicht nur mit denen, die uns nahestehen, sondern auch mit Menschen, denen wir nicht so nahestehen, zur Kommunikation bei.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Geteiltes Leid: Mit dem Jahreswechsel werden Mieter und auch Vermieter den CO2-Preis zahlen.

          Neue Regeln bei Miete : Wohnen wird bürokratischer

          Vermieter und Mieter müssen in diesem Jahr viele neue Vorgaben der Politik beachten. Für manche wird das teuer. Ein Überblick.

          Beziehungsleben : „Sie dürfen Ihren depressiven Partner auch fordern“

          Der Psychologe Guy Bodenmann forscht zu Stress und psychischen Störungen in ­Partnerschaften. Im Interview erklärt er, wieso von einer Depression immer auch der Partner betroffen ist und wie man schwierige Phasen ­gemeinsam durchsteht.