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Gesetz zum Urheberrecht : Schriftsteller gegen Journalisten?

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Von der Pressevielfalt kann man sich an jedem Zeitungs- und Zeitschriftenregal überzeugen. Doch wie steht es um die Rechte der Autoren? Bild: dpa

Die Bundesregierung will das Urheberrecht verändern. Autoren sollen ihre Werke nach fünf Jahren von Verlagen zurückholen können. Das finden Schriftsteller falsch, die Journalistengewerkschaft hält das Gesetz für richtig. Wie erklärt sich der Konflikt?

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          Seit Jahren ist die Rede davon, dass sich das Urheberrecht ändern muss - und zwar zugunsten der Kreativen. Dieses Ziel steht auch im Koalitionsvertrag. Bundesjustizminister Heiko Maas spart nie mit starker Ausdrucksweise: Man müsse geistiges Eigentum schützen und vernünftig honorieren, weil es sonst „bald nur noch Katzenfilme auf Youtube“ gibt.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Inzwischen liegt der neue Gesetzentwurf vor. Warum aber sind damit jetzt nicht alle Kreativen zufrieden, ja, halten manche das Gesetz gar für „kontraproduktiv“ - so auch etliche Schriftsteller, die gemeinsam mit Verlegern und Literaturagenten den offenen Brief gegen die vorgelegte Novelle unterschrieben haben (F.A.Z. vom 12. Dezember)? Und warum erzeugt das wiederum harten Widerspruch wie den von Frank Überall, dem Bundesvorsitzenden des deutschen Journalisten-Verbands (DJV), der als Gewerkschaftschef „erbitterten Widerstand der journalistischen Urheber“ gegen alle ankündigte, die das Gesetz gefährden? Die Antwort lautet: Weil allein schon die Interessen jener Urheber, die verallgemeinernd „Autoren“ genannt werden, mitunter völlig verschieden sind. Freie Journalisten etwa sind Autoren, die sich freuen werden, wenn sie endlich verbindliche Vergütungsregeln erhalten oder auch einklagen können.

          „Wir haben jahrelang gebaggert“

          Darum verteidigt auch der DJV-Vorsitzende im Gespräch mit dieser Zeitung seine Reaktion auf den offenen Brief. Durch dessen Wirkung sieht er einen von langer Hand vorbereiteten Gesetzentwurf gefährdet, in dem große Errungenschaften stecken: „Wir sehen darin wichtige Forderungen erfüllt“, sagt Überall. Zum Beispiel habe man „jahrelang daran gebaggert, endlich das Verbandsklagerecht durchzusetzen“. Das könnte in Zukunft verhindern, dass Journalisten von Verlegern in sogenannte „Total-Buyout-Verträge“ gezwungen werden oder Geschäftsbedingungen unterschreiben, die mit anständiger Vergütung nichts zu tun haben. Überall fürchtet nun, dass durch den Protest gegen ein „Detail“ das neue Urheberrecht insgesamt kippt.

          Was aus der Sicht mancher nur ein Detail ist - nämlich die Möglichkeit für Autoren, in Zukunft bereits nach fünf Jahren ihre Rechte an einem Werk vom Verlag zurückzuerhalten -, stellt sich allerdings für eine andere Autorengruppe ganz anders dar: So sieht zum Beispiel der Schriftsteller Hans Pleschinski eine „gewaltige atmosphärische Störung“ zwischen Verlegern und Schriftstellern heraufziehen, wie er jüngst im Hörfunk sagte. Durch die Rechterückfallsoption könne sich die Verlagssicht auf Schriftsteller grundlegend verändern, er werde dadurch zum „möglichen Verräter“, sobald sein Renommee wachse. Unter diesem Misstrauensvorbehalt, das haben in den vergangenen Tagen viele Kommentatoren gesagt, würden gerade kleinere unabhängige Verlage es womöglich gar nicht mehr wagen, bestimmte Bücher zu machen oder Autoren „aufzubauen“.

          Kluge Köpfe und Gedrucktes auf Papier: Die Journalistengewerkschaft DVJ will die Rechte von Autoren stärken. Die Frage ist nur, ob dies durch das neue Gesetz auch geschieht.

          Für wieder andere Autoren - etwa solche von Drehbüchern für Filme oder Beiträge, die ungenutzt in Rundfunkarchiven schlummern - sind fünf Jahre bis zum möglichen Rechterückfall womöglich noch immer zu lang.

          Bei aller notwendigen Stärkung von Urhebern vor dem Gesetz (gerade bei freien Journalisten scheint sie dringend nötig) darf die vom Minister geforderte Debatte über das Urheberrecht nicht dazu führen, dass die Verleger als Unbeteiligte am kreativen Prozess dargestellt werden. Wenn etwa auf dem Online-Portal dieser Zeitung ein Leserkommentar in ebendieser Debatte Verlage als „zufällig an der Erstverbreitung beteiligte Unternehmen“ bezeichnet, so ist dies bei den meisten denkbaren Beispielen aus dem Buchmarkt sowie im Journalismus eine völlige Verkennung der Rolle der Verlage, die teilweise im Grunde Miturheber sind.

          Für den Moment bleibt der Eindruck, dass noch viel Arbeit und Unterscheidungskompetenz nötig sind, bevor das neue Urheberrecht die Interessen verschiedener Urheber einigermaßen angemessen berücksichtigt.

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