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Demonstrationen in Dresden : Die Ursachen des Pegida-Phänomens

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Das Gefühl, im eigenen Land alleingelassen zu werden, treibt Pegida an: ein Demonstrant in Dresden, Februar 2015 Bild: dpa

Erst dachten alle, die Dresdner Demonstrationen erledigten sich von selbst. Die Protestbewegung hält sich jedoch hartnäckig. Wieso ist das so?

          Folgendes verbinden die meisten mit Pegida: ein xenophob-rechtsnationalistisches Erscheinungsbild, islamfeindliche Grundhaltung, Empörungslust, die sich um oft sehr radikale Redner herum entlädt, Schmähbereitschaft gegenüber Journalisten und Politikern, Unwillen und Unfähigkeit, sich über Kritik und Forderungen hinaus auf Politik einzulassen, trotzige Solidarität. Das alles ist Pegida. Doch wer begreifen will, was sich da in Dresden tat, sollte auch auf die soziokulturellen Tiefenschichten von Pegida blicken.

          Warum Dresden? Es brauchte schon eine Großstadt, damit aus so zufälligen Anfängen wie denen Pegidas – einer Facebook-Gruppe, die auf die Straße ging – ein zeitweiliges Massenphänomen werden konnte. Außerdem gelten Sorgen betreffs der Zukunft unserer Einwanderungsgesellschaft als Zwangsvorstellung von Konservativen. Also konnte nur in einer Stadt mit konservativer Grundstimmung die Verbindung von Asyl- und Islamisierungsthematik so große Wirkung entfalten. Ferner hätte auch dort Pegida ohne scharfe Gegenreaktionen nicht so viel Mobilisierungskraft erlangt. Dresden aber hat im Zug der Rückeroberung des Gedenkens an seine Zerstörung aus der Besetzung durch Rechtsextremisten ein besonders sensitives Anti-rechts-Netzwerk entwickelt. Das sprang sofort auf Pegida an, attackierte diesmal aber – statt bloß Neonazis – auch mehr und mehr normale Leute und erzeugte so als Gegenreaktion weiteren Zulauf.

          Eine Feindin von Vernunft und Modernität

          Hinzu kam, dass Dresden nun einmal eine besonders resonanzreiche Bühne politischer und soziokultureller Ereignisse ist. Im Positiven gehörten zu diesen der Wiederaufbau von Frauenkirche und Innenstadt. Negativ kam Dresden in bundesweite Schlagzeilen zu Beginn der neunziger Jahre wegen rechtsradikaler Umtriebe, im vergangenen Jahrzehnt dann aufgrund der Kaperung des Gedenkens an die Bombardierung durch Neonazis und jetzt eben wegen Pegida. Obendrein bestätigte jener „Ausländerhass samt Islamophobie“, der das Proprium von Pegida zu sein scheint, auch noch viele Vorurteile über die neuen Bundesländer: Die Werte der Demokratie seien dort nicht verwurzelt, ein großer Teil der Bevölkerung habe extreme und rassistische Einstellungen, die Leute seien undankbar und ungebildet. Sie beklagten „Islamisierung“ in einem Landesteil fast ohne Muslime, nennten Politiker „Volksverräter“, die ihnen so schöne Städte beschert haben, und beschimpften Medien als „Lügenpresse“, die ihnen doch nur zeigen wollten, wer sie wirklich sind: dumme Ossis, die weltweit unser Land in Verruf bringen. Ist damit aber wirklich alles klar?

          Zu den nachhaltigen Folgen des ostdeutschen Sozialismus gehört, dass aus den knapp 95 Prozent der Ostdeutschen, die 1944 noch Mitglied einer Kirche waren, die heutigen 25 Prozent wurden. Wer aber selbst keine ihn bereichernden religiösen Erfahrungen hat, der betrachtet Religion leicht überhaupt als eine Feindin von Vernunft und Modernität. Breitet sich dann eine Religion neu aus, so erlebt man das wie einen soziokulturellen, gesellschaftlichen und vor allem politischen Rückschritt.

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