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Russland als Hohlspiegel : Warum schenken wir Putin so viel Aufmerksamkeit?

  • -Aktualisiert am

Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Bild: Reuters

Ein Besiegter prophezeit dem Sieger dessen Zukunft: Der Westen ist von Russland unter Wladimir Putin so fasziniert, weil er fürchten muss, ihm immer ähnlicher zu werden, analysiert der Politologe Ivan Krastev in seinem Gastbeitrag.

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          China stellt unsere Welt auf den Kopf. Es ist groß, mächtig, innovativ, ehrgeizig, im Aufstieg begriffen und illiberal. Der Westen hat allen Grund, sich vor China zu fürchten. Warum schauen wir dann geradezu obsessiv auf Russland? Stimmt es nicht, dass Russland eine Mischung aus Scheitern und Banalität ist, eher ein Gespenst aus der Vergangenheit als ein Bote der Zukunft? Warum lassen wir uns derart verstören von Putins jüngster Behauptung, der Liberalismus sei „überholt“ und widerspreche den „Interessen der Mehrheit der Bevölkerung“, und das zu einer Zeit, da die Öffentlichkeit sich gegen Einwanderung, offene Grenzen und Multikulturalismus wendet? Ist nicht gerade Russland ein Paradebeispiel für ein überholtes Regime? Was ist so verstörend an Putins Russland?

          Ein Hinweis zur Erklärung unserer Obsession lässt sich in einem Klassiker der russischen Literatur finden, in Fjodor Dostojewskijs Erzählung „Der Doppelgänger“, der Geschichte eines kleinen Beamten, der im Irrenhaus landet, nachdem er seinem Doppelgänger begegnet ist, einem Mann, der genauso aussieht und spricht wie er selbst, aber all den Charme und das Selbstbewusstsein besitzt, das dem gequälten Protagonisten fehlt, und der Schritt für Schritt zu „ihm“ wird.

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