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Hoffnungen der Klimakonferenz : Die Wahl zwischen einer schlechten und gar keiner Welt

  • -Aktualisiert am

„Ganz neue Vorgehensweisen sind erforderlich, um die Menschheit auf Ziele auszurichten, die anstelle weiteren Wachstums auf Gleichgewichtszustände führen.“ Umweltaktivisten aus Spanien warten auf Taten. Bild: AP

Auf Klimakonferenzen sollten Fakten die Hauptrolle spielen. Sie sprechen für sich. Ein Fortschritt wäre erzielt, wenn es weniger um Optimismus und mehr um Gleichgewicht ginge.

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          Den Verzichtsbescheid ökologisch besorgter Nicht-Eltern, man könne „in diese Welt“ keine Kinder (mehr) setzen, hört man heute nur noch selten. Ohnehin war er nur Ausdruck einer beschränkten Perspektive: Der Glaube, man setze Kinder in die Welt, auf dass es diesen mitsamt ihren Eltern, die sich über sie freuen, darin gut ergehe, beruht auf einem geradezu rührenden idyllischen Egoismus und verkennt, dass Nachkommenschaft immer noch dazu da ist, die Gattung Mensch zu erhalten, unter welchen Bedingungen auch immer. Man hörte jenen Spruch vor allem in den siebziger und achtziger Jahren, als die Schornsteine und Auspuffe allenthalben kräftig rauchten, der Regen sauer wurde, der Wald zu sterben drohte und es bis zu 20.000 Verkehrstote im Jahr (1970) und natürlich auch Kriege gab. In den meisten Bereichen sind ohne Zweifel Verbesserungen erzielt worden. Dass die Geburtenrate trotzdem weiter zurückging und sich in den vergangenen Jahren nur leicht erholt hat, liegt auch an der nach wie vor nicht zufriedenstellend gelösten Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die zu einer maßgeblichen Kategorie der hiesigen Arbeits- und Sozialpolitik wurde.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Die existentielle Dimension der menschlichen Vermehrung bleibt von „Politik“ im wesentlichen freilich unberührt. Wer als Elternteil nur tief genug in sich hinabsteigt, wird, ganz unabhängig von zufällig herrschenden äußeren Gegebenheiten, die Freude an Kindern von einem schlechten Gewissen melancholisch grundiert finden, weil man sie, ohne sie zu fragen, überhaupt auf eine Welt gebracht hat, von der noch nicht heraus ist, ob sie nicht vielleicht doch die schlechteste aller möglichen ist.

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