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Antivegetarismus : Kein Fressen ohne Moral

Zu klein zu Essen: Lamm auf der Wiese. Bild: Peter Schatz

Für manche Menschen sind Vegetarier und Veganer die Feinde von allem, was gut und menschlich ist. Wie kommt es, dass Fleischverzicht auf so wütende Reaktionen stößt?

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          Sv3rige hatte Verstärkung mitgebracht. In einem schwarzen Muscleshirt betrat der Schwede das Gelände des veganen Wochenmarkts in Soho, in der Hand ein totes Eichhörnchen, genau wie einer seiner Begleiter. Vor aller Augen fingen sie an, die Tiere roh zu essen. Jemand rief die Polizei, die Sv3rige festnahm, weil er sich weigerte, sich auszuweisen. Der Aktivist, der bereits durch rassistische Äußerungen aufgefallen war und die Erde für eine Scheibe hält, wollte den Vorfall im April 2019 als Protest gegen den Veganismus verstanden wissen. Er steht damit am extremistischen Ende einer Skala von Anti-Vegetarismus und Anti-Veganismus, die sich auf Gartenfesten bei der Verwandtschaft ebenso zeigen wie in sozialen Medien. Viele dieser Kritiker führen keine oder zweifelhafte Argumente an, Sv3rige dagegen versuchte sich immerhin an einem interessanten: Er argumentierte mit religiöser Freiheit.

          Tatsächlich kann Ernährung an die Stelle der Religion treten, sagt der Ernährungspsychologe Christoph Klotter von der Hochschule Fulda. „In dem Augenblick, da der christliche Glaube verblasst ist und die politischen Utopien gescheitert sind, nistet sich das spirituelle Bedürfnis woanders ein. Das Essen hat bei vielen diese Funktion übernommen. Da haben sich Ersatzreligionen ausgebildet, die einander erbittert bekämpfen.“ Eine Stange Sellerie und ein rohes Eichhörnchen sind damit mehr als potentielle Lebensmittel, sie können zu massiv überbewerteten Glaubenszeichen werden. „Sartre sagt: Jedes Lebensmittel ist ein Symbol. Das ist manchmal sogar wichtiger als das Faktische – das Eis schmeckt vielleicht gar nicht so gut, aber es gehört eben zum Sommer, das in der Sonne zu genießen“, erklärt Klotter.

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